Machiavelli am Mittwoch: Schmeichelei oder Unterwerfung

Man soll den Menschen entweder schmeicheln, oder sie sich unterwerfen.

Niccolò Machiavelli

 

Dieses Zitat von Machiavelli finde ich persönlich etwas trickreicher, weil es zwar leicht verständlich ist, aber dennoch nciht ganz offensichtlich ist, was genau damit gemeint ist. Aber das ist das Schöne am Machiavelli: Er gibt keine 1:1 Handlungsempfehlungen, sondern regt eher zum Nachdenken an und motiviert, ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.
 

Schmeicheln

Wozu schmeicheln wir anderen? Damit sie sich gut fühlen, und im zweiten Schritt etwas in unserem Sinne tun (oder zumindest nichts gegen unsere Interessen). Schmeicheln hat deshalb schnell den Anschein von Schwäche. Denn wenn man stark wäre könnte man sich schließlich einfach nehmen, was man will, statt mühsam darum bitten und den anderen überzeugen zu müssen. „Schmeichler“ wird schnell als Schimpfwort für jemanden verstanden, der kriecherisch und schwach ist und um Brotkrumen betteln muss.

Das ist allerdings eine recht einseitige Sichtweise, denn eine gut gesetzte Schmeichelei kann eine großartige Waffe sein. Das erklärt die Psychologie: Jeder will sich gut fühlen, und wenn sich etwas gut anfühlt wollen wir es immer wieder haben. Wenn Du also jemanden geschickt umschmeichelst, führst Du ihn langsam in eine Abhängigkeit zu Dir. Bei Dir fühlt er sich gut, zu Dir will er immer wieder kommen. Er wird glauben freiwillig in Deinem Sinne zu handeln. Und wenn jemand erst einmal glaubt freiwillig zu handeln, wird er wesentlich engagierter sein, als wenn er unter Zwang agiert.

Und nicht zu vergessen die harte Realität: Gegenüber den Mächtigeren sind die Schwächerei Bettler, die um Brotkrumen betteln.
 

Unterwerfen

Der Nutzen von Schmeichelei heißt natürlich nicht, dass Unterwerfung und Zeichen der Stärke unnötig sind. Sich deutlich über Schwächere zu stellen hat eindeutige Vorteile. Zum einen bringt es Dich in die angenehme Position, dass andere sich auf einmal genötigt fühlen Dich zu umschmeicheln. Zum anderen zeigst Du, dass Du in der Lage bist jemanden zu unterwerfen, was andere wiederrum vorsichtig werden lässt, wenn sie Dich angehen. Und nicht zuletzt kannst Du Dir die zeitaufwendige Schmeichelei sparen, und direkt Forderungen äußern, die Deine Unterworfenen (hoffentlich) erfüllen.

Das Schöne an einer Unterwerfung ist, dass sie deutlich vielschichtiger ist als ein bloßes zu Boden prügeln. Auch gesellschaftlich kann man andere wunderbar in die unterlegene Position drängen: Ein öffentlicher verbaler Schlagabtausch oder das bewusste Ausgrenzen einer Person ordnen diese Dir unter. Zumindest, wenn Du Erfolg hast.
 

Beleidige nicht grundlos

Für mich sagt Machiavelli mit diesem Zitat sehr deutlich, dass es klug ist darauf zu verzichten Beleidigungen auszustoßen, nur weil man es kann. Insbesondere gegenüber Mächtigeren sollte man sich dies überlegen. Beleidigst Du einen Schwächeren, kannst Du ihn unterwerfen und so deutlich machen, dass er Dir nichts kann. Beleidigst Du einen Mächtigeren, hast Du hingegen schnell ein Problem. Im Umgang mit Mächtigeren kann es also durchaus sinnvoll sein, die bösen Worte herunterzuschlucken und doch zur Schmeichelei zu greifen.

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