Buchempfehlung: Bildung von Dietrich Schwanitz

„Bildung – Alles, was man wissen muss“. Na, wenn das kein vielversprechender Titel für ein Buch ist. Also fix einmal durchgelesen und schon kann es losgehen!

Dietrich Schwanitz bietet in seinem Buch im Format eines dicken Romans (knapp 690 Seiten inklusive aller Register und Namenslisten) nicht nur einen Überblick über die Geschichte Europas, sondern auch über die Entwicklung von Kunst, Musik und Philosophie. Dazu kommen dann die ausführlichen Betrachtungen der Sprache, des Spiels in und mit der Bildung und des Wissens darüber, was man nicht wissen sollte.

Das Buch gliedert sich in zwei Abschnitte. Im ersten Teil ist es theoretisch, denn hier wird das reine Wissen behandelt. Im zweiten Teil geht es dann um die Praxis, nämlich das Können, also die Anwendung des in der Theorie Gelernten. Es ist angenehm zu lesen, ohne zu überfordern, was ein großer Pluspunkt ist.
 

Teil 1: Wissen

Zur Bildung gehört Wissen. Nichts zwangsläufig der zweite Hauptsatz der Thermodynamik, aber dennoch ein gewisses Grundwissen. Knapp 230 Seiten umfasst der Abschnitt, in dem Schwanitz die Geschichte Europas komprimiert vorstellt. Wirklich gelungen ist ihm dabei ein Aufbau, der das Verständnis von geschichtlichen Zusammenhängen erleichtert. Hier geht es wirklich nicht in die Tiefe, der Fokus liegt ganz klar auf einem Überblick über die Geschichte.
Nachdem die Geschichte Europas vorgestellt wurde, werden die europäische Literatur, die Geschichte der Kunst und die Geschichte der Musik in eigenen Abschnitten noch einmal gesondert behandelt. Auch dies hilft beim Verstehen von Zusammenhängen. Die letzten beiden Abschnitte im ersten Teil sind eine Betrachtung der großen Philosophien und ein Überblick über die Geschichte der Geschlechterdebatte – gerade für Kainitinnen ein durchaus interessantes Thema.
 

Teil 2: Können

Nur Wissen anzuhäufen reicht natürlich nicht. Wer es nicht anwenden kann ist nicht besser dran als derjenige, der es gar nicht hat. Deshalb dreht sich der zweite Teil des Buches um das Können.

Ganz vorne weg ist der in meinen Augen interessanteste Teil, nämlich eine Erklärung der Regeln des Bildungsspiels. Denn dieses Spiel, das etwas verändert auch im Vampire Live auftritt, ist trickreich: Um die Regeln zu lernen muss man mitspielen, aber man darf nur mitspielen, wenn man die Regeln beherrscht. Auf jeden Fall lesenswert und wahrscheinlich das wichtigste Kapitel des Buches.
Gleich danach folgt „das Haus der Sprache“. Hier geht Schwanitz auf die Bedeutung der Sprache ein, erklärt Fremdwörter und weshalb es so wichtig ist, sich im besagten Haus auch auszukennen.

Aber damit ist es nicht getan, es folgt ein Abschnitt über die Länderkunde und verschiedenen Mentalitäten und eine Abhandlung über Intelligenz, Begabung und Kreativität. Und, nicht zu verachten: Es gibt einen eigenen Abschnitt über Wissen, das man nicht wissen sollte, zumindest wenn man im Spiel der Bildung mitspielen und ernstgenommen werden möchte. Das Buch endet mit einer Erklärung von reflexivem Wissen.
 

Was bringt mir diese Bildung im Vampire Live?

Was das Buch in meinen Augen fürs Vampire Live so interessant macht ist, dass es viele Zusammenhänge der Weltgeschichte aufzeigt und so das Verständnis dafür schult. Mehr noch als dieses faktische Wissen, wer wann was getan hat, ist aber gerade der zweite Teil, das Können, interessant. Denn egal, ob man auf einer Kunstausstellung versucht sich im Gespräch mit Fachleuten zu behaupten oder aber im Vampire Live Punkte im Gespräch mit Ahnen sammeln will, gelten sehr ähnliche Regeln.

Auch, wenn man sicher dieses Buch nicht eins zu eins umsetzen kann, bietet es doch eine schöne Grundlage, um darauf aufzubauen. Was mir sehr gut gefallen hat ist, dass auch das Grundverständnis der Menschen in den verschiedenen Epochen angesprochen wird. Denn vor 100, 200 oder 300 Jahren war das Verständnis von sich selbst noch ein vollkommen anderes als heute.

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