Braucht Vampire Live Stereotypen? Archetyp vs. Klischee

Jeder kennt Klischees: Der hartgesottene, mehr oder weniger verbitterte und in die Jahre gekommene Privatdetektiv in seinem schmuddeligen Büro, der billigen Wiskey trinkend darauf wartet, dass endlich ein Kunde kommt (natürlich eine heiße Blondine, die ebenso schön wie verrucht ist).

Auch im Vampire gibt es solche Klischee Charaktere: Der stumpfe Brujah Schläger, der Wissenschafts Tremere, der metrosexuelle Toreador mit Modefimmel… Solche Charaktere können das Spiel bereichern – oder aber furchtbar platt sein. Wie nötig sind sie also für unser Spiel?
 
 

Wenn es Spiel bringt, ist es gut

Der pragmatische Ansatz ist zu sagen, dass wenn Klischee-Charaktere Spiel mit sich bringen, es kein Problem mit ihnen gibt. Selbst, wenn ausschließlich Stereotypen auf einem Domänentreffen herumlaufen würden – so Spiel entsteht und jeder Darsteller Spaß daran hat, wäre das kein Problem.

Ganz so ist es im Spiel natürlich nicht. Zum einen hat nicht jeder Spaß am Spiel mit Klischee Charakteren, zum anderen sorgt jede SL dafür, dass jeder Charakter Tiefe und Ansätze für viele verschiedene mögliche Konflikte in sich trägt, so dass einem im Spiel kaum wandelnde und oberflächliche Klischees begegnen werden.
 

Worin unterscheiden sich Archetyp und Stereotyp?

Eine klassische Unterscheidung von Charakteren findet sich bei Autoren und Drehbuchautoren, also den Menschen, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, Geschichten zu entwickeln, möglichst viele Menschen mit ihren Geschichten zu begeistern. Warum das für uns interessant ist? Weil auch beim Vampire Live eine Geschichte erzählt wird, und je vielschichtiger die teilnehmenden Charaktere sind, desto besser wird die Geschichte.

Wenn Du einen neuen Charakter entwickelst oder ein paar neue Ecken und Kanten an Deinem Charakter suchst, kann es eine schöne Inspirationsquelle sein sich mit den Archetypen zu beschäftigen. Es wäre natürlich zu einfach, wenn es eine klare Definition von Stereotyp und Archetyp gäbe, auch wenn sich einige Webseiten damit beschäftigen.

Einen Versuch wollen wir trotzdem unternehmen: Ein Stereotyp ist eine vereinfachte Darstellung einer Person bzw. einer Gruppe. In unserem Fall wäre es eines der oberen Beispiele: Der anarchische Brujah-Schläger, der Tremere aus dem Labor (oder wahlweise der Alchemiestube) oder auch der der Geschäftsmann-Ventrue. Wie gesagt: Das muss nicht falsch sein, und es gibt viele sehr spannende Charaktere, die auch Aspekte in sich tragen, die einem Klischee entsprechen. Nicht zuletzt sind Klischees durchaus praktisch, wenn man sie für sich benutzt 😉

Archetypen sind weiter gefasst und eine Art Quintessenz aus vielen Rollen. Archetypen haben etwas Symbolisches an sich: sie wären z.B. der Kämpfer, der Herrscher oder der Trickster, weshalb die Rollen in Märchen und Sagen oft sehr klassische Figuren enthalten (der Held der aufbricht, der weise Mann oder die alte Frau mit dem entscheidenden Ratschlag…). Innerhalb eines Archetyps kann es eine große Bandbreite verschiedener Charaktere geben. Zum archetyp „Kämpfer“ würde z.B. nicht nur der obligatorische Brujah gehören, sondern auch der Malkavianer, der ein Schwert zu führen versteht, der Schläger-Nosferatu und der physisch veranlagte Toreador.

Wer sich näher mit Archetypen beschäftigen will, wird in dem Buch „45 Master Characters“ von Victoria Lynn Schmidt fündig. Es ist zwar auf englisch, allerdings gut zu verstehen und auf jeden Fall nicht nur für angehende Autoren interessant.

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