Disziplinen – wichtig oder unwichtig?

Wahrscheinlich haben die meisten Vampire Live Spieler schon den Satz „Disziplinen sind unwichtig“ gehört, womit eigentlich „Schau nicht nur auf die Punkte auf dem Charakterbogen“ gemeint ist. Disziplinen prägen die Clans und Charaktere, werden aber in den meisten Fällen seltener eingesetzt, als man zuerst vermuten würde. Wie wichtig sind sie also?

Disziplinen sind wichtig

Das sieht man schon ohne Exkurs in die spielphilosophische Metaebene daran, dass sie Teil des Spiels sind. Wären Disziplinen vollkommen unwichtig, würden sie ersatzlos aus dem Regelwerk gestrichen werden. Die Frage ist also weniger, ob sie wichtig sind oder nicht, sondern welchen Einfluss sie auf das Spiel haben und wo ihre Grenzen liegen.

Es ist recht offensichtlich, dass jeder Clan durch die individuelle Zusammenstellung an Clansdisziplinen mehr oder weniger geprägt wird. Sie fließen in das Clansgefühl mit ein und bestimmen zu einem Teil mit, wie der Clan sich gibt und entwickelt: Die Brujah wären ein anderer Clan, wenn sie statt übermenschlicher Stärke Tierhaftigkeit oder Beherrschung als Clansdisziplinen hätten.
Und auch für die einzelnen Charaktere haben die Disziplinen, die sie haben oder nicht haben, eine Bedeutung: Ein Charakter mit viel Seelenstärke wird anders an physische Auseinandersetzungen herangehen können als ein Kainit, der nach wenigen Schlägen zu Boden geht. Wer in der Lage ist die Gefühle oder Gedanken anderer zu lesen oder sich zu verdunkeln hat andere Möglichkeiten an Informationen zu gelangen als jemand, dem diese Möglichkeiten nicht offen stehen. Und nicht zuletzt kann jeder Kainit Ziel einer Disziplin werden, weshalb viele Charaktere sich Gedanken machen, ob und wie sie sich davor schützen können.

Kurz gesagt: Disziplinen sind ein wichtiger Bestandteil des Spiels mit Einfluss auf jeden einzelnen Charakter.

Disziplinen sind unwichtig

Trotz ihrer Bedeutung im Vampire Live werden Disziplinen oft seltener eingesetzt, als man erst vermuten würde. Sicherlich variiert dies auch von Disziplin zu Disziplin – Verdunklung wird z.B. häufiger im Spiel verwendet als Beherrschung oder Thaumaturgie. Meistens zumindest.
Aber auch davon ab versuchen viele Darsteller die Ziele ihrer Charaktere ohne den Einsatz von Disziplinen zu erreichen, entweder weil sie diese nicht selbst beherrschen, weil sie auf die Offplay Ansagen der Disziplin verzichten wollen oder weil sie sie damit nicht genau das erreichen können, was sie wollen.

Gleichzeitig ist ein Charakter natürlich weitaus mehr, als nur eine Sammlung der Disziplinen, die er beherrscht. Ob ein Charakter sich nur über seine Fähigkeiten definiert ist eine Sache, aber der Darsteller weiß, dass Disziplinen nicht alles sind. Ein vielschichtiger, gelebter Charakter besteht neben seinen Disziplinen auch aus Zielen und Wünschen, Trieben und dem Kampf mit seinem inneren Konflikt, den erlebten Niederlagen und Erfolgen. Wer sich zu sehr auf die Disziplinen, die er (noch nicht) hat fixiert läuft Gefahr, andere ebenso wichtige Bereiche des Spiels aus den Augen zu verlieren.

Denn Spiel entsteht nicht nur durch das Beherrschen bestimmter Disziplinen, sondern gerade auch durch das nicht Beherrschen. Und in den meisten emotional aufwühlenden Momenten, die den besonderen Reiz des Vampire Live ausmachen, sind Disziplinen vollkommen unerheblich – ein mächtiger Charakter mit vielen Disziplinen hat genauso mit seinem inneren Konflikt zu kämpfen wie ein junger Charakter, der noch nicht so viele Disziplinen beherrscht.

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