Du kannst gehen – Dein Charakter nicht

Rollenspiel, egal ob Vampire Live oder Pen&Paper, ermöglicht es uns, für ein paar Stunden oder Tage in eine andere Welt abzutauchen, mit einem fiktiven Charakter etwa zu erleben und hinterher um ein paar Erfahrungen reicher wieder in den Alltag zurückzukehren. Wenn uns ein Spiel nicht gefällt, haben wir (glücklicherweise) jederzeit die Möglichkeit zu gehen und uns etwas Neues zu suchen. Unsere Charaktere haben in diesem Punkt allerdings deutlich weniger Freiheiten.

Es gibt kein Entkommen für Deinen Charakter

Ein Kainit, Dein Charakter, kann nicht einfach das Handtuch schmeißen und der Welt der Dunkelheit den Rücken kehren, weil ihm alles zu viel wird. Er steckt unausweichlich in seiner Welt fest und muss wohl oder übel damit fertig werden, was geschieht. Eine falsche Entscheidung kann jede Menge Probleme oder, schlimmstenfalls, sogar sein Ende bedeuten. Sich nicht zu entscheiden macht es dabei noch schlimmer, denn wer nicht versucht sich etwas aufzubauen, wird unweigerlich zum Spielball der anderen und deren Zielen geopfert. Kurzum: Ein Kainit steht seine gesamte Existenz über unter dem Druck, sich seinen Platz jede Nacht wieder erkämpfen zu müssen.

Nur der Darsteller kann gehen

Du als Darsteller hast immer das Wissen im Hinterkopf, jederzeit gehen und Dir ein anderes Hobby suchen zu können. Natürlich hoffen wir, dass jeder Darsteller soviel Spaß am Spiel hat, dass er nicht darüber nachdenkt, sich ein anderes Hobby zu suchen. Aber wer merkt, dass Vampire Live (oder ein anderes, beliebiges Rollenspiel) nicht zu ihm passt, tut niemandem einen Gefallen damit, sich durch die Spiele zu quälen – weder sich selbst, noch seinen Mitspielern.
 

Der Spagat zwischen Flucht und Beständigkeit

Dieses Gefühl der Sicherheit, jederzeit aufhören zu können, kann sich als zweischneidiges Schwert erweisen: Einerseits trauen sich viele Darsteller gerade deshalb, im Rollenspiel aus sich heraus zu gehen und Dinge auszuprobieren, zu denen ihnen sonst der Mut oder die Gelegenheit fehlt – eine Anklage gegen einen Widersacher vor einem Publikum aus 60 oder mehr missgünstigen Vampiren zu halten ist keine Kleinigkeit.
Auf der anderen Seite kann dieses Hintergrundwissen auch dazu verführen, den eigenen Charakter deutlich leichtsinniger zu spielen, als realistisch wäre. Ein Kainit, der seine Existenz um jeden Preis behalten will, wird nicht jeden Schuss vor den Bug ignorieren und deutlich mächtigere Kainiten einfach ungestört weiterprovozieren, sondern sich des Risikos einer Vernichtung (oder Schlimmeren) bewusst sein.

Auch, wenn es keine Probleme gibt, kann es hilfreich für das eigene Spiel sein, sich hin und wieder bewusst zu machen, dass für den eigenen Charakter ungleich mehr am Verlauf eines Abends hängt als für den Darsteller. Dies gehört dazu, um sich in den Charakter einzufühlen, und gibt einem einen guten Leitfaden für das „richtige“ Verhalten des Charakters.

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