Ewige Liebe: Der Blutsband im Vampire Live, Teil 2

Im ersten Teil des Textmonstrums über den Blutsband im Vampire Live ging es eher um die Grundlagen des Blutsbandes. Heute gehen wir mehr in die Tiefe und schauen uns an, ob und wie unterschiedlich Menschen und Kainiten auf kainitisches Blut reagieren, wie lange ein Blutsband dauert und welche Ansätze für spannendes Spiel ein Blutsband bietet.
 

Ghule, Menschen und Vampire: Gefesselt durch das Blut

Grundlegend muss nicht direkt unterschieden werden, ob ein Mensch oder ein Kainit an einen Kainiten gebunden ist. Aber anders als gebundene Vampire können gebundene Menschen und Ghule von einem Vampir zum nächsten weitergereicht werden; nach einiger Zeit und regelmäßiger Gabe des Blutes des neuen Besitzers wechselt der Blutsband, bis der Mensch an seinen neuen Herren gebunden ist.

Ghule sind das Stichwort, um auf eine Besonderheit bei gebundenen Menschen hinzuweisen. Bindet ein Kainit einen Menschen nicht bloß einfach, sondern gibt ihm auch danach noch regelmäßig monatlich sein Blut zu trinken, stoppt der Alterungsprozess des Menschen. Auf diese Weise erschaffen Kainiten sich (beinahe) unsterbliche Diener, die sie durch die Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg begleiten und für sie sorgen. Da Ghule mit dem Alter mächtiger werde und einige rudimentäre kainitische Fähigkeiten erlernen können ist dies für ihre Besitzer sehr reizvoll. Allerdings sollte man nie außer Acht lassen, dass Ghule mitunter auch recht wunderlich werden, wenn sie die 100 überschritten haben 😉
 

Für immer und ewig?

Potentiell dauert ein Blutsband ewig oder bis zum Tod eines der beiden beteiligten. Im Vampire Live hat sich dies allerdings nicht als wirklich spielförderlich gezeigt: Hat zum Beispiel der Darsteller des Herren eines Blutsbandes aufgehört zu spielen, war der Gebundene durch den noch immer bestehenden Blutsband geschützt davor, sich an jemand anderen zu binden, ohne dabei die unschönen Auswirkungen des Blutsbandes in seinem Spiel zu haben, da sein Herr ja nicht mehr gespielt wurde.

Deshalb dauert ein Blutsband in der Katharsis Chronik ein Jahr an. Zumindest, wenn er zwischendurch nicht aufgefrischt wird: Gibt der Herr dem Gebundenen nach einem halben Jahr erneut sein Blut zu trinken, beginnt das Jahr bis zum Ende des Blutsbandes wieder von vorne. Lässt der Herr in der Beziehung dieses Jahr verstreichen, kann der Gebundene sich nach einem Jahr durch Willensanstrengung und Auflehnen über mehrere Sessions hinweg von den Fesseln lösen.
 

Ein Blutsband im Spiel

Ein Blutsband ist nichts, was ein Kainit vorschnell eingehen sollte, auch nicht, wenn er der Herr in der Beziehung sein wird. Denn von den gesellschaftlichen Konsequenzen abgesehen – die allermeisten Clans sind nicht begeistert, wenn ihre Mitglieder an andere Kainiten blutgebunden werden, egal ob freiwillig oder nicht – kann man kaum davon ausgehen, dass der Gebundene sich immer genau so verhalten wird, wie man es erwartet.

Sicher, er ist der hörige Diener seines Herren und dieser ist das Zentrum seiner Welt. Aber er ist gleichzeitig auch immer ein Kainit, und kein Kainit ist jemals friedlich und einfach nur ein passiver Diener. Der gebundene Kainit ist vom Erwachen bis zum Einschlafen auf diese eine Person fixiert, für die er alles bereit wäre zu opfern.
Aber was passiert, wenn der Gebundene nicht soviel Aufmerksamkeit von seinem Herren erhält, wie er glaubt verdient zu haben? Die Bestie eines gebundenen Kainiten wird sich niemals zurückhalten und kleine Brötchen backen, sondern nach der ständigen Aufmerksamkeit und Anerkennung des Ziels der Begierde verlangen. Das kann soweit gehen, dass der Gebundene versucht jeden von seinem Herren anzugehen und fernzuhalten (oder im Falle extrem angestachelter Eifersucht gar aus dem Weg zu räumen), die seine Aufmerksamkeit ablenken.

Dazu kommt, dass ein Blutsband immer etwas Aufgezwungenes ist. Selbst, wenn beide Seiten ihn freiwillig eingehen sollten, sind die entstehenden Gefühle aufgesetzt und durch die Macht des Blutes erzwungen. Das ist schon alleine dadurch verständlich, dass die Unterordnung des eigenen Wohls unter das eines anderen das genaue Gegenteil von dem ist, was die kainitische Bestie will. Ein Blutsband ist keine Hochzeit oder ein edler Schwur zum Eingestehen beidseitiger ewiger Liebe, sondern eine Fessel, die mit Selbstaufgabe und Unterordnung verbunden ist.

Ein Blutsband muss nicht immer auf Liebe (in welcher pervertierten Form auch immer) bestehen. Auch Hass, Verachtung und ohnmächtige Wut gegen den Herrscher sind möglich. Dies kann insbesondere passieren, wenn ein Blutsband aufgezwungen ist. Der Gebundene ist trotzdem gezwungen, dem Befehl seines Herren zu folgen, aber er wird es abgrundtief hassen.
Und auch während der Blutsband besteht, können die Gefühle sich sehr stark ändern und zu dem ein oder anderen Ausbruch führen.
 

Zusammengefasst kann man sagen, dass ein Blutsband nicht zwangsläufig mit (wenn auch aufgesetzten) positiven Gefühlen einhergeht, sondern sehr wohl ins Gegenteil umschlagen kann. Ein Blutsband ist in erster Linie immer eine Fessel zwischen zwei Kainiten, die eine riesige Bandbreite von Emotionen gerade beim Gebundenen zulässt.

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