Kainitisches Versprechen: Du hast nichts als Dein Wort

Ein ernstgemeintes kainitisches Versprechen wird nur sehr selten leichtfertig gegeben und gar nicht einmal so oft gebrochen, wie man vielleicht annehmen würde.

Es heißt nicht umsonst: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er doch die Wahrheit spricht.“ Ein Kainit sollte sich immer sehr genau überlegen, ob und wann er lügt oder ein gegebenes Wort bricht, denn so verlockend es auch sein kann – auf lange Sicht kann es lohnender sein, dies nicht zu tun.
 

Aber Kainiten lügen doch!

Sobald zwei oder mehr Kainiten zusammentreffen, hat man alles andere als ein Kaffeekränzchen. Kainiten sind bösartige, pervertierte Monster, die nicht bloß ihr eigenes Überleben sichern, sondern tief in ihrem Inneren alle anderen aus Spaß an der Freude leiden und untergehen sehen wollen. Je mehr Menschlichkeit ein Kainit verliert, desto weniger Hemmungen hat er auch die grausamsten Mittel einzusetzen, um seine Ziele zu erreichen und seine Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Weshalb also sollten Lügen und Täuschungen kein probates Mittel sein, um im Vampire Live zu bestehen?

Weil viele Kainiten wissen, dass es nicht bloß darum geht, einmalig einen genialen Schachzug zu vollführen, einen Konkurrenten auszuschalten und sich dann auf den Lorbeeren auszuruhen, sondern dass einem der großartigste Sieg nichts nützt, wenn man etwas später von den eigenen Verbündeten hängengelassen wird und auch untergeht. Ein Kainit, der dafür bekannt sich niemals an sein Wort zu halten, wird sich früher oder später ohne Verbündete wiederfinden, weil ihm niemand mehr Glauben schenkt.
 

Ein kainitisches Versprechen wiegt mehr als Reichtum

Junge Kainiten haben oft nicht mehr als das Nötigste zum Überleben. Aber im Laufe der ersten Jahrzehnte erschaffen sie sich ein mehr oder weniger angenehmes Umfeld, das ihnen den gewünschten Komfort bietet. Und nach einem halben Jahrhundert muss kein Kainit, der es auf Luxus anlegt, auf Wohlstand verzichten. Ein paar reiche Menschen, die geghult werden, sorgen für die Grundlage des gewünschten Lebensstils. Geschäfte unter Kainiten mit Geld abwickeln zu wollen ist also kaum von Erfolg gekrönt. Monetäres hat unter Kainiten schlichtweg nicht mehr denselben Stellenwert wie unter Menschen.

Was bleibt einem Kainiten also, wenn er mit Reichtum kaum Ämter und eine sichere Position erkaufen kann? Zwei Dinge: Seine Fähigkeiten und sein Wort, sein kainitisches Versprechen. Und wenn sein Wort nichts mehr wert ist, nützen ihm oft auch seine Fähigkeiten nicht mehr soviel.

Sicher ist Wortbruch nichts, was zwangsläufig schlagartig Auswirkungen haben wird. Aber stell Dir vor Du begegnest im Spiel einem Charakter, von dem Du zwei, drei Jahre regelmäßig erfährst, dass er im entscheidenden Moment stets einen Rückzieher macht und nicht mehr zu seinem Wort steht oder der jeden seiner Verbündeten fallen lässt, wenn er einen neuen Partner findet, der für den aktuellen kurzen Moment lohnender scheint. Würde Dein Charakter mit solch einem Kainiten zusammenarbeiten oder sich mehr auf ihn verlassen als unbedingt nötig? Würdest Du einem solchen Charakter helfen, wenn Du nicht weißt, ob die versprochene Gegenleistung jemals erfolgen wird?
 

Gezielter Wortbruch gehört dazu

Das heißt natürlich nicht, dass jeder Kainit heiliger als der Papst werden soll und nie wieder lügen darf. Das funktioniert schon unter Menschen nicht und ist unter Kainiten noch viel weniger umsetzbar. Lügen und Intrigen sind, richtig eingesetzt, mächtige Werkzeuge. Und wenn hinterher niemand mehr erzählen kann, dass Du Dein Wort gebrochen hast – hat es Deine Lüge dann überhaupt gegeben? 😉

Ein kainitisches Versprechen ist immer nur genau das: ein kainitisches Versprechen. Kainiten sind böse, pervertiert, grausam… und eben auch wortbrüchig. Der Trick ist, entweder so mächtig zu sein, dass genug Leute von einem abhängig sind, egal ob man sein Wort hält oder nicht (was nie dauerhaft funktioniert), oder stets dafür zu Sorge zu tragen, dass die eigenen Lügen nicht in der Gesellschaft bekannt werden.

Denke immer daran: Das einzige, was Dein Charakter bis ans Ende seiner Existenz haben wird, ist seine Integrität – oder das Fehlen davon.

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