Kein Telling, sondern Ausspielen

Ein wichtiger Grundsatz unseres Spiels ist, dass alles, was spielrelevant ist, nur inplay ausgetauscht werden darf. Vampire Live ist ein Live-Rollenspiel, weshalb dieser Austausch ausgespielt werden muss. Ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht kann ebenso wenig durch einen Chat simuliert werden wie Telling (einem anderen Darsteller nur beschreiben, was der eigene Charakter tut) ausreicht, um z.B. einen Kampf gegen den Sabbat zu simulieren.

Die Nachteile des Telling

Komplett auf Telling zu verzichten klingt im ersten Moment vielleicht pedantisch, aber das kommt nicht von ungefähr. Der Grund, weshalb wir keine Telling-Elemente im Spiel wollen, ist, dass wir das möglichst realistische Erleben des eigenen Charakters ermöglichen wollen. Dies ist mit Telling nicht ausreichend machbar.
Es gibt sicherlich Leute, die Szenen sehr spannend und packender als andere beschreiben können, aber auch dies reicht längst nicht an tatsächliches, live gespielte Situationen heran. Der hektische Griff in den Mantel um zu prüfen, ob man den Pflock auch wirklich griffbereit hat; der gelangweilte Blick, weil das Gegenüber einfach nicht auf den Punkt kommen will; die unglückliche Formulierung, weil man sich vor lauter Stress einfach verhaspelt – all das würde im Telling untergehen.

Denn im Telling kann man an jeder Formulierung feilen und mehrere Tage an der Beschreibung einer Situation basteln, ehe man sie weitergibt. Impulsive Handlungen, unbedachte Äußerungen, verräterische Gesten finden im live gespielten Spiel unbewusst statt und bieten so ein deutlich realistischeres Bild eines Charakters, während sie im Telling nur bewusst eingebaut werden können und dadurch das Bild eines Charakters verzerren.

Viele Möglichkeiten des Austauschs

Sich im direkten Gespräch auszutauschen oder sich inplay Mails zu schreiben ist natürlich nicht die einzige Möglichkeit des Austauschs. Eine Alternative für Mails sind handgeschriebene Briefe, die zwar mehr Arbeit machen, aber dafür auch mehr her macht. Wer daran generell Spaß hat, aber nicht für jeden Kontakt seines Charakters den Briefbogen zücken möchte, kann sich dies ja für einige wenige aufheben.

Davon ab stehen den Kainiten natürlich sämtliche Kommunikationswege der heutigen Zeit zur Verfügung: Telefon, Mail, Chat, Skype Telefonkonferenz etc. Wenn zwei (oder mehr Charaktere) sich per Skype Chat austauschen ist dies vollkommen legitim, solange durch den Chat nicht ein reales Gespräch simuliert werden soll.

Was nicht dargestellt werden kann, existiert nicht

Auch, wenn der Ventrue Vogt der Domäne eigentlich Zugriff auf zwei Dutzend gut ausgebildete Kampfghule hat, die das Gelände sichern, wenn es zum Kampf gegen den Sabbath kommt, existieren diese Kampfghule nicht im Spiel, solange sie nicht dargestellt werden; bzw. die Ghule sind so weit weg, dass sie keine Auswirkung auf die Situation haben. Wenn ein Charakter einen anderen entführt und in einen abhörsicheren und uneinnehmbaren Bunker bringt, muss er diese Location darstellen können, falls ein Rettungskommando für den Entführten auftaucht.

Das ist frustrierend, wenn man weiß, dass der eigene Charaktere doch eigentlich Zugriff auf diese Dinge hätte. Für ein stimmiges Spielgefühl bringt es allerdings ungleich mehr, auf die Elemente zu verzichten, die man sich vorstellen müsste, weil sie nicht existieren und sich so ganz auf das einzulassen, was auch tatsächlich vorhanden ist.

Manchmal wird ein Auge zugekniffen

Natürlich gibt es (kleinere) Ausnahmen von der Regel. Ein Anzug von der Stange kann inplay als maßgeschneiderter Anzug ausgegeben und ein 10 Jahre alter Golf kann als gepanzertes Fahrzeug genutzt werden.
Aber in diesen Fällen sind die Gegenstände vorhanden und müssen in der Fantasie nur noch etwas aufgepeppt werden. Sich auf den leeren Parkplatz zu stellen und so zu tun, als wäre dort ein gepanzertes Fahrzeugt mit Chauffeur, geht natürlich nicht. 😉

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