Machiavelli am Mittwoch: Glanzlose Titel

Titel geben den Menschen keinen Glanz, sondern die Menschen den Titeln.

Niccoló Machiavelli

Dieses Zitat mag ich sehr gerne. Es gehört zu den eher unbekannteren, aber es enthält einen sehr wichtigen Gedankengang: Status, Amt und Titel alleine reichen nicht. Du musst auch was dafür tun.

Titel sind Macht, oder?

Zumindest meistens lautet die Antwort ja.

Das Wort eines Ancillas hat in der Regel mehr Gewicht als das eines Neonaten, das eines Ahnen in der Regel mehr als das eines Ancilla. Ein Amtsträger hat in der Regel mehr zu sagen als ein Kainit ohne besondere Position.

Du merkst es schon: „in der Regel“. Ausnahmen bestätigen auch hier wie so überall die Regel. Denn es gibt immer wieder Kainiten, die einen schönen Status und einen beeindruckenden Titel haben und dafür Respekt erwarten. Meist funktioniert dies für eine kurze Weile, ehe sie sich in einer zusehends schneller werdenden Abwärtsbewegung in der Gesellschaft wiederfinden.

Aber weshalb wird der eine Charakter voll respektiert und ernstgenommen, während der andere mit dem gleichen Status ignoriert wird? Nun, hier kommt Machiavelli zum Tragen.

Show, don’t tell!

Wir hatten das Thema Show, don’t tell bereits. Es heißt, dass Du nicht nur behauptest, sondern zeigst. Beispiel:
„Ich bin ein Ancilla, nehmt mich ernst!“ wäre das „tell“. Du tust nicht mehr, als zu behaupten, dass Du wichtig bist und respektiert werden musst. Um das „show“ zu erreichen tue etwas, was Deinem Status entspricht, und erlange darüber Respekt. Du erfüllst Deinen Status oder Dein Amt mit Glanz, nicht umgekehrt.

Gleiches gilt übrigens für das Alter: Die Erfahrung zeigt, dass kein Charakter, der mit der Angabe seines enormen Alters Respekt einforderte, diesen erhielt. Anders herum haben zahlreiche Charaktere sich viel Respekt erarbeitet, ohne ein einziges Mal auf ihr Alter hinzuweisen.

Anders ausgedrückt: Verlange keinen Ruhm für Deinen Status, sondern tue Dinge, die Dir und Deinem Status zu Ruhm verhelfen. In der kainitischen Gesellschaft wird Deinem Charakter nichts geschenkt – weshalb sollten andere ihn als über sich stehend akzeptieren? Nur, weil er es verlangt ohne zu beweisen, dass er den Respekt wert ist? Eher nicht, oder? 😉

Und nein, das muss nicht gerecht sein. Du kannst Dich über Jahre hinweg bewiesen und Deinen Status hart erkämpft haben, und trotzdem irgendein anderer Kainit daher und verlangt, dass Du Dich ihm gegenüber beweist, ehe er Dich respektiert. Willkommen in der Camarilla.

Kainitischer Selbstschutz und Egoismus

Kainiten sind Raubtiere, die sich jeder für sich an der Spitze der Nahrungskette sehen. Deshalb liegt es ihnen fern, andere einfach so als über sich stehend oder gleichwertig zu betrachten. Weshalb sollten sie sich auch unterordnen, wenn sie nicht müssen?

Wer in der kainitischen Gesellschaft aufsteigen will, muss sich jeden Schritt hart erarbeiten: Diejenigen, die unter Dir stehen, werden Dich nicht ohne Weiteres an sich vorbeiziehen lassen. Diejenigen, die auf einer Ebene mit Dir sind, werden Dich nicht ohne Weiteres als gleichwertig anerkennen. Diejenigen, die über Dir stehen, wollen genau wissen, ob Du gegen sie vorgehen wirst, wenn Du aufsteigst.

Deshalb führen die Nennung von Status oder Amt alleine selten dazu, dass Du sofort anerkannt und respektiert wirst.

Die Ausnahme der Regel

Natürlich kannst Du mit ein wenig Geschick und Charisma so viele Charaktere blenden, dass Du auch ohne zu viel Arbeit Respekt erhältst. Wäre ja noch schöner, wenn ein Kainit nur über ehrliche Arbeit zu Erfolg käme 😉

Jetzt wie ein Arbeitsesel vorzustürmen und sich alle möglichen Aufgaben aufzuhalsen führt sehr wahrscheinlich nicht dazu, dass Du Respekt erntest. Es ist wahrscheinlicher, dass Du dann nur als Arbeitsesel wahrgenommen wirst, dem man gemütlich alles aufhalsen kann.

Es gilt also, den Mittelweg zu finden: Tue etwas. Zeige, dass Du einen Plan hast, dass Du ein Ziel verfolgst, dass Du Einfluss nimmst. Es gibt viele Möglichkeiten, subtil die eigene Macht zu demonstrieren, ohne sie dem Gegenüber wie einen nassen Lappen ins Gesicht zu schlagen und damit unnötige Konflikte zu beginnen. Delegiere Aufgaben – Du musst nicht jede Arbeit selbst erledigen. Wo kämen wir denn dahin?

Aber: Tue etwas. Sorge dafür, dass man Dich und Deinen Status mit Taten, Ergebnissen oder einem überzeugenden Auftreten in Verbindung bringt. Wenn Du Dich auf mehr berufen kannst als „Ich bin ein Ancilla, weil Ahn x mich halt dazu gemacht hat“, bist Du auf dem besten Weg.

Natürlich wirst Du auf dem Weg nach oben Konflikte ausfechten müssen. Niemand steigt auf, der jedem Streit aus dem Weg geht. Du musst Dich nicht in jede Schlacht stürzen, nur weil es möglich ist, aber mache Dich darauf gefasst, dass Du kämpfen musst – schon alleine, um andere Aufsteiger auszubremsen.

Fazit

Je höher Dein Status und je wichtiger Dein Titel, desto mehr werden andere auf Dich schauen. Und je mehr Leute auf Dich schauen (und sich ggf. an Deinem Einfluss stören), desto größer ist die Gefahr, dass Du Dich mit dem Vorwurf des Nichtstuns konfrontiert siehst. Lasse nicht zu, dass sich in der Gesellschaft etabliert, dass Du Dich auf Deinem Status ausruhst, denn es ist schwer diese Meinung wieder zu ändern. Und auch, wenn die Auswirkung nicht unmittelbar stattfindet, führt diese Meinung im Laufe von zwei, drei Jahren dazu, dass Du immer weiter in den Bereich der Unwichtigkeit gedrängt wirst.

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