Macht – (K)Eine Frage des Alters?

Vampire sind, potentiell zumindest, unsterblich. Damit ist die Chance recht groß alten Vampiren zu begegnen, die schon mehrere Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte auf dem Buckel haben. Und, ganz wie bei Anne Rice, werden Vampire mit dem Alter immer mächtiger.
Das ist ein verständlicher Grund, auch selbst einen alten Charakter spielen zu wollen, ohne Frage. Aber ist es wirklich (nur) das Alter, das über die Macht eines Kainiten bestimmt?
 

Was ist Macht?

Der Duden definiert den Begriff „Macht“ als Gesamtheit der Mittel und Kräfte, die einem zur Verfügung stehen, und dem Besitzen einer Stellung (politisch, gesellschaftlich, öffentlich…) und Befugnissen, über andere Personen zu bestimmen. Dem ist erst einmal nichts hinzuzufügen.

Vampire Live ist immer auch ein Machtspiel. Jeder Charakter hat eigene Ziele und Wünsche, die er umzusetzen gedenkt, auch gegen den Willen anderer. Um das erfolgreich zu tun ist Macht nötig, um sich zu behaupten.

Aber wie genau definiert sich die Macht, die ein Kainit hat? Aus einer Mischung aus im Laufe der Zeit erarbeiteten Gefallen und Gefälligkeiten, Disziplinen und „Softskills“, um es auf Neudeutsch zu sagen.
 

Gefallen, Gefälligkeiten und Verbündete
Je älter ein Kainit wird, der sich aktiv an der Gesellschaft beteiligt, desto mehr Gelegenheiten hat er, andere Kainiten zu Verbündeten zu machen oder in Situationen zu treiben, durch die sie ihm etwas schulden. Wer einen großen Pool von Kontakten verfügt, die etwas für einen tun können, ist in dieser Hinsicht mächtiger als ein Charakter, der ganz auf sich gestellt sich.

Disziplinen
Dieser Punkt ist klar: Wer viele Disziplinspunkte hat ist mächtiger als jemand, der weniger Disziplinspunkte hat, zumindest solange es auf einen Konflikt auf dieser Ebene hinausläuft. Und je älter ein Kainit ist, desto mehr Zeit hatte er seine Fähigkeiten weiter zu trainieren und auszubilden.

Softskills
Egal, wie alt ein Kainit ist und wie gut er seine Disziplinen beherrscht: Wenn er die Zähne nicht auseinander kriegt, sobald er vor mehr als zwei Personen reden muss, wird er es in vielen Situationen ungleich schwieriger haben als ein frischgeschaffener Kainit, der problemlos Reden vor 60 versammelten Vampiren halten kann. Auch ein Kainit, der schlichtweg nicht erkennen kann, wie sein Gegenüber gestimmt ist, ist gegenüber denen benachteiligt, die in der Lage sind, Körpersprache zu lesen.
 

Vampire Live vs. Pen&Paper

Das Liverollenspiel unterscheidet sich in einigen eklatanten Punkten vom Pen&Paper, wodurch sich auch der Einfluss des Alters eines Charakters anders gestaltet. Der wahrscheinlich wichtigste Punkt ist wohl, dass der Spielleiter im Pen&Paper die komplette Welt simuliert und so ein beliebig komplexes Netz erschaffen kann. Beziehungsgeflechte und über Jahrhunderte hinweg gewachsene Machtverhältnisse bestehen insbesondere zwischen NSCs und können vom Spielleiter in der gewünschten Ausführlichkeit definiert werden.

Gefallen, Gefälligkeiten und Verbündete
Im Liverollenspiel hingegen liegt der Fokus auf tatsächlich bespielten Szenen und Erlebnissen, so dass ein Großteil der Machtverhältnisse im realen Spiel entsteht und geklärt wird. Es werden zwar Präludien genutzt, um Beziehungen zwischen Charakteren darzustellen, die über lange Zeit gewachsen ist, aber es besteht noch immer ein großer Unterschied zu den Möglichkeiten im Pen&Paper.
Du kannst Dir also ziemlich sicher sein, dass auch ein 400-jähriger Ahn, der Dir im Liverollenspiel begegnet, nicht auf 70 NSCs zurückgreifen kann, die ihm noch etwas schulden, weil er vor ein paar Jahrhunderten mal etwas für sie getan hat. 😉

Disziplinen
Ohne Frage definieren die Fähigkeiten, die ein Kainit beherrscht oder nicht beherrscht, ihn selbst und darüber auch seine Position in der Gesellschaft. Allerdings werden bei Weitem nicht alle Konflikte durch den bloßen Einsatz von Disziplinen geklärt, so dass möglichst gut ausgebildete Fähigkeiten nicht der Garant für eine machtvolle Position in der kainitischen Gesellschaft sind.

Softskills
Tatsächlich besitzen oft die Charaktere die eine oder andere Form von Macht, die in der Lage sind mit anderen Charakteren zu reden, zu spielen, sie zu überzeugen und zu überrumpeln. Andere Kainiten einzuschätzen und sie zu steuern und das Engagement aktiv zu werden (und zu bleiben) sind im Liverollenspiel, in dem es gerade um das aktive Spiel geht, ausschlaggebend für Macht und Erfolg im Spiel.
 

Fazit: Macht muss man sich (live) erarbeiten

Wenn Du das Gefühl hast im Spiel nur mit einem alten Charakter etwas erreichen zu können, denk daran: In den letzten Jahren gab es in der Chronik durchaus Charaktere, die aufgrund ihres Habitus und ihrer Softskills erfolgreicher in der Gesellschaft waren als andere Charaktere, die viermal so alt waren.

Um im Vampire Live Macht und Einfluss zu erlangen, sind das Alter Deines Charakters und die Menge Deiner Disziplinspunkte nur zweitrangig. Um im Spiel Macht und Einfluss zu erlangen ist insbesondere entscheidend, dass Du spielst und Dich einbringst, um Dir eine Position zu erarbeiten. Es liegt also an Dir, Macht und Ansehen zu erlangen, nicht an den Zahlen auf Deinem Charakterbogen.

4 thoughts on “Macht – (K)Eine Frage des Alters?

  1. Hier kann ich nur voll und ganz zustimmen. So aus der Reihe derjenigen, die ohne jede Machtbasis ins Spiel gegangen sind. Spielen und reden helfen um Längen mehr als Vorgaben von Spielleitung oder Charakterbogen. Und sich an die aktiven Spieler ranhängen und auf ihr Spiel eingehen. Einfach mitschleppen lassen reicht nie. (Außer man ist echt dekorativ und gerät an einen genügsamen Toreador 😉 )

    • Frauke

      Das glaube ich Dir.
      Wer einen Charakter spielt, der im Spiel geschaffen wurde bzw. von dem alle wissen, dass er sehr jung ist, hat eine etwas größere Herausforderung, aber auch da hilft es nur, auf die eigenen Softskills zu setzen und sich eine Position zu erarbeiten.

  2. Claudi

    Ich kann auch nur empfehlen einfach zu Handeln. Ob dieses Handeln im ersten Moment „gut“ oder „schlecht“ war für den Machtstatus des Charaktes ergibt sich oft auch erst später. Nur wer als Spieler nix tut, nur passiv ist und wenn überhaupt nur reagiert statt agiert, der wird nie Aufmerksamkeit und dadurch auch oft Respekt der Anderen erhaschen..

    • Frauke

      Ganz genau.

      Aus der offplay Sicht betrachtet ist erst einmal alles gut, was Spiel bringt, unabhängig vom inplay Ausgang für den Charakter.

      Und inplay gilt das, was Du sagtest. Gemäß dem Zitat von Bertholt Brecht: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

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