Schöner sterben: Die Erschaffung

Die Erschaffung ist der wichtigste Moment in der Existenz eines Vampirs, direkt gefolgt von seiner möglichen Vernichtung. Seine Erschaffung ist seine Geburt, sein Eintritt in eine grausame Welt des garantierten Untergangs.
Eine Frage, die sich gerade Einsteiger stellen, ist, wie man diese Erschaffung cool ausspielen kann. Und auch, wenn es nicht die Erschaffung gibt, sondern die Wandlung jedes Mal individuell abläuft, wollen wir hier ein paar Inspirationen und Ansätze bieten.
 

Die Erschaffung ist qualvoll

Die Erschaffung ist ein extrem schmerzhafter, bewusster Prozess. Du wirst ausgeblutet oder leergetrunken. Das Trinken ist im ersten Moment die bekannte lustvolle Erfahrung, doch je näher der eigene Tod rückt, desto mehr mischen sich Angst und Panik dazu, gepaart mit der Wehrlosigkeit, sich nicht losreißen zu können. Dein Herz rast, das Blut rauscht in Deinen Ohren, und jeder Herzschlag schmerzt in Deiner Brust, wenn Dein Leben Dich mit jedem Tropfen Deines Blutes mehr verlässt. Du erlebst qualvoll bewusst, wie Du Dich Deinem Tod näherst, obwohl Dein Körper sich mit allen schwindenen Kräften gegen das Sterben wehrt.

Und dann stehst Du auf der Schwelle zum Tod. Manche erleben es im Delirium, andere glauben das Licht am Ende des Tunnels zu sehen, manche erleiden einfach Höllenqualen. Du röchelst, zu schwach auch nur einen Finger zu rühren. Vielleicht spricht Dein Erzeuger mit Dir, stellt Dir eine Frage, aber mehr als ein paar Worte wirst du kaum über die Lippen bringen, und selbst die scheinen schon ein Wunder zu sein.
Es wird dunkel um Dich herum. Du hast den Kampf verloren, und Du wirst den Weg allen Irdischen gehen. Alles tritt in den Hintergrund. Du stirbst, denn Du kannst Dich nicht mehr dagegen wehren zu sterben.

Doch dann, auf der Schwelle zum Tod, tropft Dir kaltes, totes Blut auf die Lippen. Es schmeckt metallisch, tot, kalt, falsch. Doch mit den ersten Tropfen, die in Deinen Mund rinnen, spürst, schmeckst Du, was es bedeutet: Dieses tote Blut desjenigen, der Dich erschafft, verspricht Leben. Ein totes, gestohlenes Leben, aber ein Leben. Ehe Du es verstehst packst Du das Handgelenk über Deinem Gesicht und reißt es zu Dir heran. Du saugst und trinkst mit wachsender Gier, versuchst all das Leben und all die Macht, die durch dieses Blut pulsiert, in Dir aufzunehmen. Du krallst Dich an diese Macht, und vielleicht spürst Du in Dir das Echo Deines Bruches, der Deine Erschaffung erst möglich macht.
Doch der erste Rausch schlägt allzu schnell um in brennenden Schmerz. Das Blut Deines Erschaffers strömt durch Deine Adern, verbrennt Dich und reißt Dich zurück in diese Welt. Es durchfährt Dich und jede Zelle Deines Körpers, brennt sich in Dein Fleisch und Deine Knochen und zerreißt alles, was ist. Du stirbst einen grausamen, qualvollen Tod, doch Dir ist nicht die Gnade vergönnt in Ohnmacht zu fallen. Du erlebst jede Sekunde dieses Schmerzen in all seiner Deutlichkeit, wenn Deine Seele aus Deinem Körper gerissen und von etwas Falschem, Bösen zurückgehalten und an Deine toten Überreste gefesselt wird.

Du hast kein Ohr für dein Geschrei oder ein Gefühl für die Zeit, noch bist Du Herr Deiner Sinne. Dein Erschaffer wird sehen, wie Du Dich am Boden windest und aufbäumst, während Du Höllenqualen durchleidest. Du selbst kannst kaum wahrnehmen, was Du tust, geschweige denn Dich kontrollieren.

Die Welt um die herum ist rot, denn der Schmerz und die Qual Deines Todes wird von einem widernatürlichen Hunger verdrängt, der Dich von nun an begleiten wird. Es ist die Gier nach der Lebenskraft im Blut, ohne die Du Deine eigene unheilige Existenz nicht führen kannst. Bei Deiner Erschaffung hast Du ein wenig Blut bekommen, doch die erwachende Bestie in Dir ist getrieben von der Blutraserei des Hungers. Du bist nicht mehr als eine rohe Bestie in einem toten Körper, und um diesen Hunger zu stillen würdest Du alles tun – selbst Dein eigenes Kind fressen. Du spürst eine Leere in Dir, die Du füllen willst, füllen musst. Noch ehe Du Dich wirklich kontrollieren kannst treibt die Bestie Dich und lässt Dich die nächste Blutquelle angehen. Vielleicht hat Dein Erschaffer Dir ein oder zwei Menschen gebracht, die Du austrinken kannst. Du wirst das nächste Opfer anfallen, das Du erreichen kannst, sei es Mensch oder Kainit.

Die ersten Liter Blut beruhigen Deine Bestie. Noch immer tobt der Hunger in Dir und lässt Dich mehr verlangen, aber langsam kommt auch Dein Verstand in der Realität an. Dein Körper ist bekannt und fremd zugleich: Er ist tot, das Herz schlägt nicht mehr, und um zu schreien oder sprechen musst Du bewusst Luft holen. Langsam erlangst Du die Kontrolle über Dich, auch wenn Deine Bestie dicht unter der Oberfläche lauert. Du bist ein frischgeborener Vampir, und Du hast eine Bestie in Dir, die mit aller Macht versuchen wird, ihre Bedürfnisse zu befriedigen.
 

Tipps für den Erzeuger

Wenn Du die Erzeugung eines Spielers miterlebst, vielleicht sogar als dessen Erzeuger, kannst Du dazu beitragen eine verdammt coole Szene für alle Beteiligten daraus zu machen. Denn gerade unerfahrene Spieler sind meist dankbar für eine Hilfestellung.
Zu allererst: Steh nicht unbeteiligt direkt daneben, wenn ein Kainit geschaffen wird. Nur die wenigsten Kainiten sind so abgebrüht und distanziert, dass es sie nicht mehr tangiert, wenn neben ihnen nicht nur ein Mensch getötet, sondern ein Kainit geschaffen wird. Du musst nicht zähnefletschend und knurrend reagieren, aber gehe auf diesen Spielimpuls ein.
Dem zu Schaffenden selbst kann es helfen, wenn der Prozess seiner Erschaffung mit ein paar Worten beschrieben wird. Als Erzeuger kannst Du Dich zu Deinem fast toten Kind herunterbeugen und etwas zu ihm sagen wie „Spürst Du, wie Dein menschliches Leben Dich verlässt? Dein Körper stirbt…“ oder „Trink, trink… Trink Dein neues Leben, und spüre wie es in Dir brennt. Wie es durch jede Ader rauscht und alles Sterbliche aus Dir herausreißt. Trink…“
Wenn Du das Gefühl hast, dass der Darsteller Deines zukünftigen Kindes unsicher ist, wie er die Erschaffung spielen soll, kannst Du ihm so einen Spielimpuls geben und ihm die Erschaffung sehr erleichtern.
 

Jede Erschaffung ist einzigartig

Es gibt niemals die Erschaffung. Jeder stirbt ein bisschen anders, jeder erschafft ein bisschen anders, immer sind die Umstände unterschiedlich. Darum gibt es auch keine Regel, wie Du Deine Erschaffung ausspielen musst. Der einzige Ratschlag, den ich Dir geben kann, ist: Geh in die Vollen! Lass alles raus und tobe wie noch nie. Schreie, leide, röchel, stürz Dich im Hunger auf ein Opfer. Lass Dir soviel Zeit, wie Du willst. Egal als was Du geschaffen wirst, lass alle Eloquenz und Erwartung an den Clan fahren. Sei eine hungrige Bestie, die sich nähren will, und fernab von jeglicher Kontrolle ist. Im Zweifelsfall entscheide Dich immer, einen Tick lauter und extremer zu sein, als Du im ersten Moment wolltest. Die Erschaffung eines Vampirs ist eine Urgewalt. Also tu was Du willst! (Aber lass bitte die Location heile 😉 ).

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