Schopenhauer am Samstag: Recht behalten, Teil 5

Kunstgriff 4: Prämissen ad populum und ex concessis

Nutze die falschen Prämissen Deines Gegners, um zu einer Dir genehmen These hinzuführen.
 

Schopenhauer sagt, aus falsch wird richtig

Laut Schopenhauer ist es durchaus möglich, dass die Wahrheit auch aus falschen Prämissen heraus entstehen kann. Wenn Du erkennst, dass Du Deinen Gegner zu dem von Dir gewünschten Ziel bringen kannst, indem Du seine Argumente nutzt, kannst Du Dir die Mühe sparen, ihn erst davon zu überzeugen, dass er falsch liegt. Denn sehr wahrscheinlich wirst Du ihn damit eher wütend machen, da er entweder denkt, dass Du ihn nicht verstehst und absichtlich provozierst, oder er erkennt, dass Du ihm seine Fehler aufzeigst, und nimmmt es Dir übel.

Wenn Du aber seine falschen Annahmen nutzt, um zu argumentieren, kannst Du ihn nachhaltig von Deiner These überzeugen, da sie ja auch seinen (in seinen Augen richtigen) Argumenten beruht. Arbeite zielorientiert, das spart Zeit und Nerven 😉

Der Umkehrschluss funktioniert laut Schopenhauer angeblich nicht: Aus etwas Wahrem kann nichts Falsches werden. In diesem Punkt muss ich dem Philosophen allerdings widersprechen, da die Erfahrung anderes zeigt.
 

Falsches mit Falschem bekämpfen

Schopenhauer gibt den guten Tipp, dass man Falschaussagen des Gegners auch mit Argumenten widerlegen kann, von denen man selbst zwar weiß, dass sie falsch sind, die der Gegner aber glaubt. Auch ein Beispiel liefert er dafür: Diskutierst Du mit dem Anhänger einer Sekte, der Du selbst nicht angehörst und deren Lehren Du ablehnst, kannst Du dennoch die Aussagen und Richtlinien dieser Sekte nutzen, um mit ihnen gegen Deinen Gegner zu argumentieren. Denn als Sektenmitglied wird er sich an diese Weisungen halten müssen, wenn er sich nicht selbst demontieren will.
 

Wichtige Lektion: Denke wir Dein Gegner

Indirekt gibt Schopenhauer uns hier einen sehr wichtigen Ratschlag: Wenn Du Deinen Gegner überkommen willst, musst Du Dich in seinen Kopf versetzen. Es nützt Dir gar nichts, wenn Deine Argumente in Deinen Augen vollkommen logisch und selbstverständlich sind, wenn Dein Gegner sie als falsch betrachtet. Frage Dich in solchen Fällen immer, was Dir wichtiger ist: Durchzudrücken, dass Deine Argumente als richtig angesehen werden, oder egal mit welchen Argumenten ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

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