Schopenhauer am Samstag: Recht behalten, Teil 6

Kunstgriff 4: Versteckte petitio principii

Die zu beweisende Behauptung bereits als Prämisse äußern.
 

Schopenhauer nutzt Zirkelbeweise

Eine Petitio principii ist eine argumentative Figur, die einen besonderen Reiz hat. Ins Deutsche übersetzt bedeutet dieser lateinische Begriff „Inanspruchnahme des Beweisgrundes“; es ist also ein Zirkelbeweis. In dieser Taktik wird eine Behauptung aufgestellt, die mit Aussagen begründet oder bewiesen wird. Diese Aussagen beinhalten aber die Behauptung bereits und setzen sie als wahr voraus. Die Argumentationskette beißt sich selbst in den Schwanz.
 

4 Wege führen zum Glück

Laut Schopenhauer hast Du vier verschiedene Möglichkeiten, diesen Trick vor Deinem Gegner zu verbergen:

Geschickte Wortwahl
Durch eine geschickte Wortwahl kannst Du bereits frühzeitig eine Bewertung in Deine Argumente einfließen lassen. Schopenhauer führt als Beispiele „guter Name“ anstelle von „Ehre“ oder statt „Jungfrauschaft“ „Tugend“ an. Dies erinnert ein wenig an die Homonyme aus dem 2. Kunstgriff.

Unverdächtige Verallgemeinerung
Wenn etwas im Einzelfall umstritten ist, eine Verallgemeinerung äußern. Schopenhauer bringt das Beispiel, dass die Behauptung der „Unsicherheit der Medizin“ durch die allgemeine Formulierung über die „Unsicherheit alles menschlichen Wissens“ verborgen werden kann.

vice versa
Diesen Trick finde ich etwas knifflig und leider nicht sehr gut erklärt. Wikipedia erläutert ihn so, dass um Deine Behauptung zu belegen Du eine andere unbelegte Behauptung so aufstellst, dass diese beiden sich gegenseitig stützen.

Viele, viele Sonderfälle
Dies ist die Umkehrung des 2. Tipps. Hier geht es darum, eine allgemeine Behauptung zu belegen, in dem man sich sehr viele Sonderfälle bestätigen lässt.
 

Aus dem Zirkel ausbrechen

Leider gibt Schopenhauer keine Tipps, wie man aus einer solchen Zirkelargumentation ausbricht, wenn man einmal drin steckt. Unbedingt notwendig ist Aufmerksamkeit. Denn in den Kunstgriffen 4 – 6 geht es darum, Prämissen ohne Widerspruch einzufügen. Bei Kunstgriff 4 (Argumentation auf Umwegen) und Kunstgriff 6 mag dies relativ gut funktionieren, da Du immer die Chance hast zu erkennen, ob Dein Gegner versucht Dir seine Argumente unterzuschieben.

Schwieriger wird bei bei Kunstgriff 5. Denn wenn Dein Gegner diesen gegen Dich anwendet, nutzt er Argumente, die Du für richtig hältst. Auch, wenn Du erkennst, wohin er Dich führen will, sei vorsichtig in Deiner Arugmentation, damit Du Dich nicht selbst diskreditierst.

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