Schopenhauer am Samstag: Recht behalten, Teil 7

Kunstgriff 7: Mehr als nötig zugestehen lassen

Viel und ausschweifend fragen, um den eigentlichen Punkt zu verbergen, die anschließende Argumentation aber schnell vortragen.
 

Schopenhauer nutzt die sokratische Methode

In den Kunstgriffen 7 bis 11 geht es darum, dem Gegner geschickte Fragen zu stellen, so dass dieser mit seinen Antworten entweder etwas zugibt oder aber die eigene Glaubwürdigkeit verliert. Da kommt die sokratische Methode oder auch Mäeutik („Hebammenkunst“) ins Spiel: Der Gegner wird nicht über eine Wahrheit belehrt, sondern durch geschickt Fragen und die eigenen Antworten darauf zur Wahrheit geführt. Sokrates nannte dies Hebammenkunst, weil er der Seele seines Gegenübers bei der Geburt zur Erkenntnis half, wie eine Hebamme einer Frau bei der Geburt hilft.

PS: Sokrates Ende lehrt uns auch gleich, es nicht mit den klugen Reden zu überteiben. 😉
 

Erst verschleiern…

Der 7. Kunstgriff von Schopenhauer funktioniert so, dass Du Dir von Deinem Gegner mehr zugestehen lässt, als eigentlich nötig ist. Frage weitgefasst und zu verschiedenen Themen um zu verbergen, worauf Du eigentlich hinaus willst. Vielleicht verbeißt er sich dabei sogar in einem Punkt, der für Dich eigentlich gar nicht nötig ist, und wir Dir glücklich zugestehen, was Du für Deine Argumentation brauchst, wenn Du ihm das Gefühl gibst, „seinen“ Punkt verteidigt zu haben.
 

… dann zuschlagen

Wenn Du nun alle Argumente beisammen hast, die Du brauchst, schlage mit einer schnellen Schlussfolgerung zu. Kein Diskutieren, einfach raus damit. Schopenhauer selbst führt dafür einen guten Grund an: „denn die langsam von Verständnis sind, können nicht genau folgen und übersehn die etwaigen Fehler oder Lücken in der Beweisführung.“

Dieser Trick funktioniert nicht nur, wenn Du diesen Kunstgriff anwendest, sondern ist auch sonst ganz hilfreich. Wenn Du ein Argument mit genügend Überzeugung vorträgst und keine endlose Diskussion darüber anfängst, kannst Du meist recht gut über kleinere Schwächen in der Beweisführung hinwegtäuschen. Das funktioniert aber nur, wenn Dein Gegner nicht geübt darin ist, komplexere Argumentationen zu hinterfragen, oder unaufmerksam ist.

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