Schopenhauer am Samstag: Recht behalten, Teil 11

Kunstgriff 11: Induktion aus Zugeständnissen

Wurden in der Diskussion bestimmte Punkte Deiner Aussage für richtig erklärt, ziehe daraus den Schluss auf die allgemeine Behauptung. So vermeidest Du Vorbehalte und versetzt Gegner und Zuhörer in den Glauben, dass sie selbst zu keinem anderen Schluss gekommen wären bzw. Dein Gegner bereits zu diesem Schluss gekommen ist.

Schopenhauer empfiehlt, direkt zu schlussfolgern

Mit anderen Worten: Frage nicht, ob Dein Gegner zu dem von Dir gewünschten Schluss kommt, sondern formuliere die Dir genehme Schlussfolgerung als wahr. Lass ihn also Einzelfälle bestätigen, um daraus eine scheinbar logische Schlussfolgerung zu ziehen. Im Idealfall kannst Du diese so geschickt formulieren, dass er auch ihr zustimmt.

Schopenhauer zeigt an dieser Stelle auch auf, wie riskant es sein kann, Fragen zu stellen, auf die man nur eine bestimmte Antwort (in diesem Fall eine Zustimmung) haben will. Denn wenn Du Deinen Gegner erst drei oder vier Deiner Aussagen bestätigen lässt, ihn dann fragst, ob er deshalb nicht auch zu Deiner Schlussfolgerung kommt und er einfach „nein“ antwortet, stehst Du dumm da. Die Situation ist dann zwar noch nicht verloren, aber von hier an wird die Diskussion schnell sehr anstrengend.

Tipp: Gleiches gilt auch, wenn Du Deinen Gegner fragst, ob er Dich für dumm hält. Wenn er mit einem lapidaren „Ja.“ antwortet, sind die Lacher auf seiner Seite.

Vorbereitung hilft

Für diesen Trick von Schopenhauer hilft es, sich vorher kurz Gedanken zu machen und zu überlegen, welche Einzelfälle geeignet sind, um als Grundlage Deiner Schlussfolgerung zu dienen. Du willst argumentativ beweisen, dass Neonaten unfähig sind Kinder zu erziehen? Dann suche Dir solche katastrophalen Einzelfälle heraus. Zur Not übertreibst Du ein bisschen 😉

Wenn Dein Gegner auf die Idee kommt damit zu kontern, dass Du ja nur Einzelfälle aufgeführt hast, aber es auch Gegenbeispiele gibt, bist Du im Idealfall auch auf diese Vorbereitet. Im oben genannten Beispiel kennst Du also die besagten Fälle, in denen ein Neonate sein Kind gut ausgebildet hat, und kannst erklären, weshalb er das nicht alleine geschafft hat.

Wehre Dich gegen Schopenhauer

Und was, wenn jemand diesen Trick gegen Dich einsetzt? Dann verneine im richtigen Augenblick die angeblich logische Schlussfolgerung. Mit ein bisschen Glück macht Dein Gegner den oben aufgeführten Fehler, Dich zu fragen ob Du seiner Schlussfolgerung zustimmst. Falls nicht horche auf, wenn er Deine Aussagen zusammenfasst, ob er das Ergebnis dabei so formuliert, dass er Dir eine Meinung zuschreibt, die Du gar nicht hast.

Wenn Du richtig gut bist, merkst Du bereits welches Ziel er ansteuert. Nehme ihm dann den Wind aus den Segeln, indem Du ihn bei seinem zweiten oder dritten Einzelfall fragst, worauf er eigentlich hinaus will. Oder ob er all diese Einzelfälle aufzählt, um seine natürlich vollkommen falsche Position doch noch irgendwie mit Argumenten zu unterfüttern.

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