Schopenhauer am Samstag: Recht behalten, Teil 2

Kunstgriff 2: Homonymie

Wenn Dein Gegner in seiner These ein Homonym verwendet, erweitere Du seine Behauptung Deines Gegners auf die weitere Bedeutung des verwendeten Homonyms, um damit seine These zu widerlegen.
 

Homo-was?

Ein Homonym ist ein Wort, das für verschiedene Begriffe steht. Ein Beispiel ist „Tau“: Es kann sowohl „Seil“, „morgendlicher Niederschlag“ als auch „Buchstabe im griechischen Alphabet“ bedeuten. In dem Beispiel von Schopenhauer wird auch etwas weiter ausgeholt und „Ehre“ angefügt, indem von der ritterlichen Ehre auf die bürgerliche Ehre, den guten Ruf, geschlossen wird.

Davon zu unterscheiden ist ein Synonym, mit dem zwei Worte gemeint sind, die für denselben Begriff stehen.
 

Wie nutzt man Homonyme?

Wirklich nutzen kannst Du Homonyme nur, wenn Dein Gegner sie in seiner Argumentation nutzt und sich dann eine passende Argumentation anbietet. Bloß, weil er „Schloss“ sagt und sich z.B. auf das Konzil bezieht, ist es nicht zwingend hilfreich zu wissen, dass „Schloss“ auch als „Türschloss“ verstanden werden kann 😉

Schopenhauer selbst bietet zwei schöne Beispiele für diesen Kunstgriff an. Einmal geht es um „Mysterien“, einmal um die „Ehre“.
 

Beispiele von Schopenhauer

Übertragen auf das Vampire Live kann man das Beispiel mit den Mysterien so formulieren:
„In die Mysterien der höheren Politik wurden Sie wohl noch nicht eingeweiht.“
„Ach, von Mysterien und ähnlichem Humbug will ich nichts wissen.“

Im zweiten Beispiel von schopenhauer geht es um die Ehre. Die aufgestellte These ist, dass es widersinnig sei, dass man durch eine erhaltene Beleidigung ehrlos wird, sofern man diese nicht angemessen z.B. durch ein Duell erwidert. Begründet wird diese These damit, dass Ehre nur durch eigene Taten verloren werden könne, nicht durch Erlittenes, weil jedem alles zustoßen könne.
Die Erwiderung im Beispiel von Schopenhauer geht so: Wenn einem Kaufmann fälschlicherweise Betrug oder Unredlichkeit nachgesagt werde, sei dies ein Angriff auf seine Ehre, die dadurch verletzt würde. Seine Ehre widerherstellen kann er nur, wenn er die Angreifer auf seine Ehre ihrer Strafe zuführt und zum Wiederruf bewegt.

In diesem Beispiel bezieht sich die These auf die eigentliche Ehre, während im Gegenargument der „gute Ruf“ mit Ehre gleichgesetzt wird. Die Streitfrage wird so verschoben.
 

Vorsicht ist geboten

Schopenhauer gibt selbst zu bedenken, dass man mit diesem Kunstgriff nicht unbedingt jemanden täuschen kann. Am leichtesten fällt dies noch, wenn die durch das Homonym bezeichneten Begriffe verwandt und von komplexer Natur sind, wie z.B. die im Beispiel genannte Ehre.

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