Serienempfehlung – Empresses in the Palace

Frauen, die über Leichen gehen, der Abstieg (oder Aufstieg?) eines unschuldigen Mädchens zur höchsten Macht und große Gefühle: Die sechsteilige Netflix-Serie Empresses in the Palace hat das alles. Mit wunderschönen Bildern, detailverliebten Kostümen und einem ständigen Auf und Ab wird die Geschichte von Zhen Huan erzählt. Die Adaption des Buches von Liu Lianzi spricht sehr viele Aspekte des Vampire Live an und ist es auf jeden Fall Wert angeschaut zu werden.

Der Harem als Schmelztiegel der Interessen

Empresses in the Palace spielt fast ausschließlich im Harem von Kaiser Yongzheng aus der Quing Dynastie. Keine Sorge, Du musst Dich nicht mit chinesischer Geschichte auskennen, um der Serie folgen zu können. Die Aufgabe der Haremsdamen ist es, dem Kaiser Erben zu schenken um den Fortbestand der Dynastie zu sichern. Das reicht als Wissen vollkommen aus, um die Serie genießen zu können.

Eigentlich könnten sie also ein angenehmes Leben im Luxus führen, wäre der Harem nicht doch eng mit der Außenwelt verbunden und voller ehrgeiziger Frauen, die die Nummer eins sein wollen. Eine der Gemahlinnen des Kaisers hat einen Bruder, den er aus politischer Sicht braucht – weshalb sie sich weit mehr erlauben kann, als die anderen Frauen, obwohl sie noch nicht einmal einen Erben geboren hat. Andere Haremsdamen wollen, dass ihr Sohn dem Kaiser auf den Thron folgen wird, und schrecken vor keinem Mittel zurück, die Konkurrenz auszuschalten. Da wird auch vor Mord nicht zurückgeschreckt. Und fast alle von ihnen lieben den Kaiser und wollen die eine sein, die all seine Aufmerksamkeit erhält.

Der Harem als Abbild einer Domäne

Durch die Unmöglichkeit für die Haremsdamen, den Harem zu verlassen, wird ihr gesamtes Leben zu einem Schmelztiegel, aus dem es keine Flucht gibt. Diener werden genutzt um Informationen zu beschaffen oder bei der Konkurrenz platziert, um diesen zu schaden. Wer erfolgreich intrigiert kann sehr weit aufsteigen – wer sich erwischen lässt, wird hart bestraft oder gar zum Tode verurteilt. Jede der Frauen braucht Verbündete, aber wem kann man trauen und wer wird einen bei der nächsten Gelegenheit verraten?

In dem Harem dieser Serie wirken dieselben Mechanismen, die auch in einer Domäne der Camarilla greifen. Wer besondere Fähigkeiten hat und sich zu präsentieren weiß, steigt in der Gunst des Herrschers und erhält mehr Vergünstigungen als andere. Die eigenen Verbündeten müssen mit Bedacht gewählt werden und alle Mitspieler im großen Rennen um die Macht stets im Blick gehalten werden. Und zugleich gibt es kein Entkommen: Wer im Harem ist gehört dem Kaiser. Wer Mitglied einer Domäne ist, gehört seinem Fürsten. Sowohl die Haremsdamen als auch die Kainiten haben nur eine einzige Wahl: Spiel mit oder stirb. Sei ein Spieler oder ein Spielstein anderer.

Empresses in the Palace kann in Punkto Intrigen auch durchaus als Lehrstück genommen werden. Zwar sind im Vampire Live eher wenig Giftanschläge zu erwarten, aber der Wert vertrauenswürdiger Diener und der Einsatz getreuer Gefolgsleute zum Schaden anderer wird schön dargestellt – und auch was passiert, wenn man dabei nicht sorgfältig genug vorgeht.

Der Aufstieg und Fall von Zhen Huan

Die Entwicklung der Hauptfigur Zhen Huan im Laufe der Serie ist wunderschön dargestellt. Jede Folge beginnt und endet mit einer alten Zhen Huan, die auf ihre Zeit im Harem zurückblickt.

Als sie als 17 jähriges unschuldiges Mädchen in den Harem kommt, ist sie noch sehr naiv und hofft, mit zwei Freundinnen den Gefahren entgehen zu können. Aber sehr bald schon erkennt sie, wie weit einige andere zu gehen bereit sind, und muss sich wappnen um nicht zwischen die Räder zu geraten. Denn sie könnte zwar einfach unaufällig am Rand des Harems vor sich hinleben – wäre da nicht der Kaiser, den sie bald sehr liebt. Es entsteht also auch für sie persönlich ein starker Konflikt zwischen ihren persönlichen Gefühlen und der Machtpolitik, die sie betreiben muss, um zu überleben. Mehr als einmal entgeht sie ihrem eigenen Untergang nur um Haaresbreite.

Wirklich spannend ist ihre Wandlung zu einer meisterhaften Spielerin. Nach und nach setzt sie sich gegen alle Konkurrentinnen durch und steigt zu immer mehr Macht auf. War sie anfangs klug und eher passiv, wird sie zunehmend aktiv und scheut sich schließlich auch nicht mehr vor Grausamkeiten oder Intrigen. Und zugleich zerreißen sie ihre eigenen Gefühle; die für den Kaiser und, später, die für den Bruder des Kaisers. Ihr Leben ist durchwirkt von schönen Momenten, wodurch die Niederlagen und Verluste umso bitterer und schmerzhafter sind.

Am Ende hat sie all ihre Ziele erreicht. Alle Konkurrentinnen sind ausgeschaltet, ihre Position gesichert. Und doch hat sie alles verloren, denn sie ist einsam und jene, die sie liebte, sind tot. Dies spiegelt die Tragik der vampirischen Existenz: Man kann nicht gewinnen. Man geht unter, oder man erreicht die eigenen Ziele und verliert trotzdem alles.

Und eben diese Entwicklung macht Empresses in the Palace so großartig. Die Serie zeigt auf bittere und melancholische Weise das Schicksal jener Kainiten, die es schaffen an Macht zu gelangen: Auch, wenn man alle seine Ziele erreicht und lernt, über Leichen zu gehen, hat man am Ende nicht gewonnen. Was nützt einem alle Macht, wenn man einsam ist und alles verloren hat, was einem etwas bedeutete? Eine schöne Zwischennote ist, dass die alte Zhen Huan nichts an den Grundzuständen geändert hat. Der Harem besteht weiterhin, und neue junge Frauen sind hinzugekommen, die ebenfalls um die Gunst des Kaisers buhlen. Das Rad der Geschichte dreht sich endlos weiter.

Abstriche bei Empresses in the Palace

Ein wenig irritierend war, dass die Figuren der Serie manchmal aus Zucker zu sein scheinen. Vielleicht ist es aber auch der damaligen Zeit geschuldet, dass jeder Wutausbruch sofort mit einem „Beruhigt Euch! Denkt an Eure Gesundheit!“ kommentiert wird. Auch die Wirkungen diverser Mittelchen wirken manchmal arg mächtig. Wirklich ins Gewicht fällt das aber nicht.

Was es stellenweise etwas schwierig zu verfolgen macht ist die Vielzahl an Figuren. Sie werden zwar mit eingeblendetem Namen vorgestellt, wenn sie das erste Mal erscheinen. Aber trotzdem kann man zwischendurch schon einmal den Überblick verlieren. Die wichtigsten Personen sind aber recht eindeutig, und auch wenn man mal ein paar durcheinanderwürfelt, kann man der Serie problemlos folgen.

Zu bedenken ist, dass es die Serie nur auf Mandarin gibt. Zwar bietet Netflix die Möglichkeit Untertitel einzublenden, aber dadurch ist Empresses in the Palace noch immer eine Serie, die man nicht mal nebenher guckt. Um zu verstehen, worum es geht, sollte man schon auf den Monitor gucken. Aber wer will bei so tollen Palästen und Kleidern schon woanders hingucken?

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