Das ist die Bestie des Vampirs

Jeder Vampir hat sie: Die Bestie. Sie ist ein unlösbarer Teil von ihm. Sie treibt ihn zu Perversion und Grausamkeit. Jede Nacht ist ein endloser Kampf gegen sie.

h2>Kein Teufel auf der Schulter

Was den meisten Vampire Live Spielern als „das Tier“ bekannt ist, bezeichnen wir schon länger als „die Bestie“. Denn dieser Begriff passt in unseren Augen deutlich besser. „Tier“ suggeriert das Gefühl eines tierischen Instinkts, ähnlichem einem edlen Raubtiertotem, das einen in gefährlichen Situationen warnt oder kämpfen lässt. Ein Tier ist etwas Neutrales, aber nichts Böses. Und das beschreibt die Bestie nicht im Geringsten.

Das, was wir als Bestie bezeichnen, ist keine zweite Persönlichkeit. Sie ist keine einflüsternde Stimme und kein Teil der Persönlichkeit, der gesondert vom Rest betrachtet werden kann. Natürlich kann sich aber jeder Kainit seine Bestie so zurechterklären.

Am ehesten kann man sie wohl mit dem (vampirisch pervertierten) Freudschen Es beschreiben. Hier ein kurzer Ausflug in Freuds Psychoanalyse: Freud teilte die Persönlich in das Es, Ich und Über-Ich.

Es: Steht für das Lustprinzip und Forderungen; Triebe, Bedürfnisse, Libido, Destrudo
Ich: Steht für das Realitätsprinzip und die Kontrolle; kritischer Verstand, Triebverzicht
Über-Ich: Steht für die moralische Instanz; Gebote und Verbote

Das Es ist der triebhafte Teil einer Person, insbesondere für sexuelle Begierden, aber auch für aggressive Verhaltensweisen. Es strebt nach Befriedigung seiner Bedürfnisse, ohne Rücksicht auf Moralvorstellungen. Das Über-Ich ist die Moralvorstellung, die Summe aller Erfahrungen. Das Ich vermittelt zwischen diesen beiden Polen und bestimmt die letztliche Reaktion.

Was ist die Bestie?

Sie ist ein pervertiertes Freudsches Es. Sie will über anderen stehen, Schwächere leiden lassen, Feinde zerstören, Blut und Grausamkeit. Die Bestie sitzt nicht wie ein Teufelchen auf der Schulter des Kainiten und diskutiert mit ihm aus, ob er jetzt etwas Gemeines sagen soll oder nicht. Stattdessen ist sie ein Impuls, ein Wollen und Verlangen. Sie will etwas, ohne Gedanken an Konsequenzen oder eine Bewertung über das „richtig“ und „falsch“ dieser Triebe.

Die Bestie ist der Impuls, der Dich jemanden ins Gesicht schlagen oder grob zur Seite stoßen lässt, bloß weil er Dir im Weg steht. Die Bestie lässt Dich nachtreten, wenn jemand am Boden liegt, einfach weil Du es kannst. Eine Beleidigung oder Zurechtweisung reizt sie. Dies kann zu einem Schlag, einem Fauchen, einem Knurren führen, oder aber zu einer Raserei, die erst endet, wenn der Grund für die Wut beseitigt ist.

Die Bestie pervertiert alles

Die vampirische Bestie vergiftet aber auch die Ziele und Moralvorstellungen eines Kainiten. Wer zuerst nur die Schwächeren beschützen will, fängt vielleicht zunehmend an Kainiten erst in Situationen zu bringen, in denen sie Hilfe benötigen. Dann sind sie abhängig von ihm und er kann sie leiden lassen, wenn sie aufbegehren. Die Bestie schürt das Verlangen, jemanden z.B. nicht nur politisch abzusetzen, sondern ihn zu demütigen und zu zerstören. Ganz einfach, weil er es verdient hat. Warum hat er es verdient? Weil er Dir nicht gönnt, was Dir zusteht.

Die Bestie ist das ständige Verlangen nach der Erfüllung der eigenen Ziele. In diesem Aspekt ist sie der ständige Kampf mit sich selbst. Sie ist auch die Frage, warum man sich eigentlich noch an seine Moralvorstellung aus sterblichen Tagen klammert. Und sie ist das ständige Verlangen nach Blut; der ewige Hunger der den Kainiten antreibt sich von den Lebenden zu nähren.
 
 

Das heißt nicht, dass ein Kainit sich ungehemmt auf jeden anderen Kainiten stürzt, der seine Bestie reizt. Ein Kainit spürt, wenn er einem mächtigeren Kainiten (z.B. einem Ahnen) gegenübersteht. Er kann natürlich durch Disziplinen gezwungen werden oder sich nicht mehr zurückhalten, wenn seine Willenskraft aufgebraucht ist, aber generell kann ein Kainit sich gegen das Aufbäumen der Bestie, den Impuls einem Trieb zu folgen, widerstehen – wenn er es will.

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