Vampire Live ist ungerecht

Jeder Vampire Live Spieler kennt diese Aussage, dass das Spiel ungerecht ist. Das ist ja auch logisch: Kainiten sind grausam, kaltherzig und existieren in einer Gesellschaft, in der jeder Platz hart umkämpft ist. Intrigen sind an der Tagesordnung und das Wohl anderer wird meist nur allzu bereitwillig den eigenen Zielen geopfert. In einer solchen Gesellschaft ist kein Platz für Gerechtigkeit und Schwäche, und irgendwo fühlt es sich ja auch verdammt gut an, erfolgreich einen hinterhältigen Plan umzusetzen.

Du stehst nicht immer an der Spitze

Oft vergessen wird dabei, dass man auch selbst einmal derjenige sein wird, der ungerecht behandelt wird. Niemand kann perfekte Vorsichtsmaßnahmen treffen um sicherzustellen, dass er niemals hintergangen wird. Jeder macht irgendwann einen Fehler, den andere ausnutzen werden. Und selbst die, die keinen Fehler machen, werden eines Nachts benutzt und für die Ziele anderer Kainiten missbraucht.
Dass Vampire Live ein ungerechtes Spiel ist, ist schwerer zu schlucken, wenn man selbst gerade Opfer eines anderen Charakters wurde. Es ist in Ordnung, sich im ersten Augenblick darüber zu ärgern, wenn man es dann wieder schafft sich bewusst zu machen, dass verlieren zum Spiel gehört. Das ist nicht immer einfach, aber man macht es sich oft unnötig schwer. Es hilft, sich einige Punkte immer wieder bewusst zu machen:

Es gibt kein Richtig und kein Recht

Jemand anderes hat Deinem Charakter Schaden zugefügt, dabei vielleicht sogar eine Tradition gebrochen oder gegen den ausdrücklichen Willen eines sehr mächtigen Charakters verstoßen und wurde dabei erwischt? Eigentlich ein klarer Fall. Mit Chance wird er aber ungeschoren oder zumindest weniger lädiert davon kommen, als Du hoffst. Warum? Weil die kainitische Welt kein Rechtsstaat ist und auch, wenn auf ein Verbrechen eigentlich eine Strafe folgen muss, dies nicht automatisch bedeutet, dass dem auch so ist.

Ungerechtigkeit ist ungerecht

Klingt logisch, ist aber trotzdem wahr. Ungerechtigkeit bedeutet nicht nur, dass einzelne schwache Kainiten ohne Verbündete zu Schachfiguren mächtigerer Charaktere werden, sondern auch, dass mächtige Kainiten, die eigentlich alles „richtig“ gemacht haben, sich plötzlich ohne Verbündete oder als Opfer eines Schachzuges eines anderen Charakters wiederfinden. Ahnen erleben dies genauso wie Neugeborene, erfahrene Darsteller ebenso wie unerfahrene. Weder große Macht, langjährige Erfahrung oder viele Jahre Spielzeigt können einen davor bewahren, auch wenn sie die Chance minimieren, einmal nur das „receiving end“ zu sein.

Ungerechtigkeit ist (ein bisschen) gerecht

Der einzige Trost, der einem bleibt, ist, dass wenigstens auf jeder Andere früher oder später Opfer von einer Ungerechtigkeit wird. Allerdings kann man sich (oder besser: der eigene Charakter!) darüber ärgern, dass die anderen bei Weitem nicht so sehr oder so oft das Ziel von Ungerechtigkeit werden, wie sie es verdient hätten 😉

2 thoughts on “Vampire Live ist ungerecht

  1. freche

    Und wenn es Spielleiter-Charaktere die Ungerechtigkeit trifft, dann wird das schnell im off gedeckelt, gell? 😉

    • Frauke

      Eigentlich nicht, die Charaktere der Spielleiter sind davon genauso betroffen wie die der Spieler.

      Ich kann verstehen, dass manchmal dieser Eindruck entstehen kann, wobei es die (wie in wahrscheinlich jedem Rollenspiel) in jede Richtung gibt. Spielleitungen, die im Off schieben, Spieler die Powergamer sind und schummeln um nicht zu verlieren, Darsteller die im Off tratschen… Hat sich bisher (glücklicherweise) eigentlich immer als haltloser Vorwurf herausgestellt.

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