Was ist Etikette?

Wer eine Antwort bei Google sucht erhält die Definition „Gesamtheit der herkömmlichen Regeln, die gesellschaftliche Umgangsformen vorschreiben“.

Im Grunde ist damit schon alles gesagt. Hilfreich ist das allerdings nicht, weil Du noch immer nicht weißt, welches Verhalten jetzt von Deinem Charakter erwartet wird. Deshalb gehen wir hier etwas ins Detail und erläutern die Basics der Etikette. Mit diesen wirst Du in den meisten Situationen gut zurechtkommen.

Wichtig: Keine Regel ohne Ausnahme. Selbst, wenn Du das beste Handbuch zum Thema auswendig lernst und 1:1 befolgst, ist das keine Garantie für den Erfolg. Aber wer die Grundregeln versteht und beherrscht, kommt deutlich besser in der Gesellschaft zurecht als jemand, der auf gut Glück vor sich hin werkelt.

Auch wichtig: Etikette lebt und verändert sich. Die Grundregeln bleiben bestehen, aber Nuancen sind von Domäne zu Domäne unterschiedlich. Ebenso gibt es immer wieder Phasen, in denen deutlich stärker auf den Benimm geachtet wird, und Phasen, in denen es nicht viele kümmert, wie Du Dich verhältst. Bleib also flexibel.

Aber nun geht es auch schon los.

 

Etikette ist das Schmiermittel der Gesellschaft

In der vampirischen Gesellschaft kommen nicht nur Persönlichkeiten der unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten zusammen, sondern auch Charaktere unterschiedlicher Epochen. Da sind Konflikte vorprogrammiert.

Die Etikette ist ein Regelwerk, das allen eine Anleitung gibt, was als guter Ton gilt und was nicht. Und das kommt allen zu Gute – insbesondere den Jüngeren. Denn diese sind geschützt, da sie durch die Etikette wissen, wie sie sich den älteren und mächtigeren Kainiten gegenüber verhalten sollten, um diese nicht zu erzürnen. Die Regeln sind recht einfach, so dass man sie tatsächlich schnell lernen kann. Auch, wer keine Ausbildung am Hofe erhalten hat (und das haben die wenigsten), kann sich so relativ sicher bewegen.

Manche alte Kainiten legen die Etikette vielleicht etwas individuell aus, angepasst an ihre eigenen Vorlieben. Dennoch ist der grundlegende Standard eine sehr gute Basis, um sich in der Gesellschaft zu behaupten.

 

Etikette ist spannend, weil…

Ok, die Alten wollen, dass Du Dich gut benimmst. Das lockt jetzt noch nicht jeden Neonaten hinter dem Ofen hervor. Es gibt – neben der eigenen Unversehrtheit, da man nicht versehentlich Kriege anzettelt – aber noch weitere Gründe, weshalb Etikette nützlich ist:

 

Regeln bewusst brechen
Wenn Du Regeln brechen willst, musst Du sie kennen. Es ist eine Sache, der unerträglich provokante Kainit zu sein, der bewusst kein Benimm an den Tag legt. Es ist eine andere Sache der Depp zu sein, der es einfach nicht verstanden hat.

Du siehst, es lohnt sich die Regeln der Etikette zu kennen, die man brechen will 😉

 

Du verstehst deutlich mehr
Wenn Du weißt, welches Verhalten grundlegend erwartet wird, fällt Dir auf, wenn sich jemand nicht ganz so genau an diese Verhaltensregeln halten muss. So erkennst Du leicht die Hinweise darauf, dass jemand in der Gunst eines hochrangigen Kainiten steht (oder eben nicht). Ziemlich nützlich, oder?

 

Und wie sollst Du Dich verhalten?

Ganz kurz gesagt: Der Kainit von niedrigerem Stand zollt dem Kainiten von höherem Stand Respekt. Das ist die Grundregel, auf der die ganze Etikette aufbaut.

Wie Dein Charakter sich gegenüber anderen Charakteren im Sinne der Etikette verhalten sollte, hängt (auch) vom Stand Deines Charakters ab. Du kannst die Hierarchie des menschlichen Adels erst einmal vergessen, hier geht es um den Status und mögliche Ämter innerhalb der Camarilla. Ämter überflügeln dabei niemals den Status. Ein Ancilla wird also auch dann unter einem Ahnen stehen, wenn er zwei oder mehr Ämter besitzt. Einzige Ausnahme: Die Position des Fürsten.

Fürsten
Ahnen
Ancillae mit Amt
Ancillae ohne Amt
Neonaten mit Amt
Neonaten ohne Amt
Kinder
Ghule
Statuslose

Bisher eigentlich ganz einfach, oder? Man kann diese Liste noch weiter aufschlüsseln, aber diese Feinheiten sprengen hier den Rahmen. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann sich im Spiel an den Herold seines Vertrauens wenden 😉

Aber nun zum angemessenen Verhalten Deines Charakters:

Als Kind

  • verbeugst leicht Du Dich vor einem Neonaten
  • verbeugst Du Dich tief vor einem Ancilla
  • kniest Du nieder vor Ahnen und Fürsten

Sollte ein Kind alleine zu einem Ahnen oder Fürsten laufen und ihn ansprechen, hat der verantwortliche Erziehungsberechtigte auch hoffentlich eine gute Erklärung für diese Belästigung 😉

 

Als Neonate

  • verbeugst Du Dich leicht vor einem Ancilla
  • verbeugst Du Dich tief vor einem Ahnen
  • kniest nieder vor einem Fürsten

Es ist durchaus nicht unüblich und in manchen Domänen gefordert, dass Neonaten auch vor Ahnen knien, die nicht Fürst einer Domäne sind.

 

Als Ancilla

  • verbeugst Du Dich leicht vor einem Ahnen
  • verbeugst Du Dich tief vor einem Fürsten

 

Grundlegende Höflichkeit

Was unter Menschen höflich ist, gehört auch zur Etikette im Vampire Live:

  • unterbrich keine Gespräche, und schon gar keine Kainiten mit höherem Status
  • frage, ehe Du Dich zu einer Gesprächsrunde gesellst oder sie verlässt
  • kommt ein Kainit an einen Tisch und es ist kein Stuhl mehr frei, bietet der Kainit mit dem niedrigsten Status seinen Stuhl an (natürlich nur, wenn sein Status unter dem des Kainiten ist, der gerade hinzukommt)
  • erhebe Dich, wenn ein Kainit mit höherem Status an den Tisch kommt, an dem Du sitzt
  • begrüße die Kainiten von Relevanz zu Beginn des Abends

 

Die richtige Begrüßung

Du willst einen anderen Kainiten begrüßen, weißt aber nicht wie? Kein Problem, auch das ist sehr einfach. Während Du als Neugeborener alleine auf die meisten Ancillae zutreten kannst um Dich vorzustellen, ist es bei einem Ahnen durchaus angebracht, wenn Dich jemand vorstellt. Wenn Du bereits mit einem Kainiten bekannt bist, kannst Du ihn auch alleine ansprechen und grüßen.

Wichtig: Wenn Du jemanden begrüßt, verabschiedest Du Dich natürlich auch am Ende des Abends.

Aber nun zur Vorstellung. Knickse bzw. verbeuge Dich wenn nötig vor Deinem Gegenüber. Der ranghöhere Kainit entscheidet dabei über die Form der Begrüßung: Der Neonate streckt nicht dem Ahncillae oder dem Ahnen die Hand entgegen. Entscheidet der Ranghöhere, Dir die Hand zu reichen, ist es nicht an Dir sie abzulehnen.

Dann nennst Du Deinen Namen, Status, Clan und die Domäne, aus der Du stammst. Das sind die Grundinformationen, die jedem zustehen. Sprich dabei laut und deutlich, damit Dein Gegenüber Dich gut versteht. Dies gilt insbesondere, wenn Du einen komplizierten Namen hast:

„Ich bin x, Neonate des Clans y, aus der Domäne z.“

Wenn Du dein Gegenüber bereits kennst, musst Du das natürlich nicht jedes Mal erneut auflisten.

 

Der Handkuss

Tu Dir einen Gefallen und ignoriere, was landläufig als Handkuss bekannt ist. Denn in beinahe allen Filmen wird er ziemlich falsch dargestellt.

Ein Handkuss ist, anders als der Name sagt, kein Kuss. Die Lippen des Herren berühren niemals die Hand der Dame – außer, er ist gerade verdammt unanständig und/ oder weiß nicht, wie man sich benimmt.

Zudem hält der Herr die Hand der Dame nicht fest wie ein Schraubstock, sondern stützt sie nur leicht mit seiner eigenen ab. Die Position seines Daumen gibt an, wie vertraut er und die Dame miteinander sind: Sein Daumen neben ihren Fingern ist förmlich. Der Daumen auf ihren Fingern deutet auch eine lange Bekanntschaft und persönliche Nähe hin. Der Daumen auf ihrem Handrücken ist die Aufforderung für spätere Frivolitäten.

Wenn die Dame keinen Handkuss möchte und dem Herren die Hand wie zum normalen Händeschütteln reicht, kann er durch leichten Druck prüfen, ob er sie zum Handkuss drehen kann. Wenn sie sich sträubt, wird er ihre Hand aber niemals mit Kraft herumdrehen und zu sich reißen.
Die Dame darf übrigens sitzenbleiben, wenn der Herr (des gleichen) Standes ihr einen Handkuss gibt.

 

Tipp zum Schluss: Frag den Herold zur Etikette

Eine sehr nützliche Lektion, die viele Erzeuger ihren Nachkommen angedeihen lassen, ist dieser Tipp: Wenn Du eine fremde Domäne besuchst, deren lokale Gebräuche Du (noch) nicht kennst, suche den verantwortlichen Herold und lasse Dich von ihm einweisen.

Wenn dieser zickig ist kostet Dich sein Rat vielleicht eine Gefälligkeit. Aber dies erspart Dir viele Fettnäpfchen, in die Du nicht treten willst. Außerdem ist es sein Job sich um die Etikette zu kümmern. Und nicht zuletzt ist er an einem Fauxpas Schuld, wenn er Dich nicht richtig informiert hat.

Tipp: In manchen Domänen heißt das Amt des Herolds anders. Trotzdem gibt es fast überall jemanden, der über die Etikette wacht. Wenn es um die Vorlieben einen Ahnen geht, sind auch seine Ancillae gute Ansprechpartner.