Für Vampire ist die heutige Zeit voller Herausforderungen und voller Möglichkeiten – je nachdem, ob sie mit der schnelllebigen Welt mithalten oder nicht. Und ich spreche hier nicht von (relativ) echt aussehenden LED-Kerzen, Spotify und Live-Übertragungen der MET.

In der vampirischen Gesellschaft sind Informationen meist wertvoller als Geld. Die moderne Technik bietet unglaubliche Möglichkeiten, an Aufzeichnungen auch geheimer Gespräche zu kommen. Dafür muss man keine Spionageausrüstung kaufen. Denn schon Smartphones zeichnen Gespräche in guter Qualität auf.

Aber – natürlich kommt jetzt ein aber – nur, weil etwas möglich ist, ist es nicht erlaubt. Denn Aufnahmen anderer Leute sind durch ganz reale Gesetze streng geregelt.

 

Jeder nutzt, was er hat – oder?

Jeder Kainit, der ein Smartphone besitzt, kann Gespräche aufzuzeichnen. Die Bandbreite an Gründen ist riesig. Die einen wollen eine Erinnerungsstütze, die anderen wollen ihr Gegenüber mitunter erpressen.

Ein Vorteil der Smartphones ist, dass heutzutage beinahe jeder eines hat. Sie sind auch unter Kainiten kein ungewöhnlicher Anblick mehr. Die Geräte sind schlicht für jeden verfügbar. Für heimliche Aufnahmen brauchst du nur eine Diktiergerät-App. Schon hast Du alles in der Hosen- oder Handtasche dabei, was Du für Aufnahmen brauchst. Natürlich wird kaum ein Vampir sich freuen, wenn er aufgezeichnet wird – aber dafür musst Du auch erst einmal erwischt werden, nicht wahr?

Aber – Du ahnst es schon – es gibt einen großen Haken an der Sache: Die Gesetze, die für uns als Darsteller gelten.

(Wir sind keine Juristen und können deshalb keine Rechtsberatung geben. Dass Aufnahmen ohne Zustimmung der aufgenommenen Person verboten sind, ist trotzdem klar.)

 

Gesetzeslage: Recht am eigenen Bild

Kurzgefasst: Wenn Du ohne Einwilligung einer anderen Person Aufnahmen von ihr machst und diese gar teilst, verstößt Du real gegen geltendes Recht. Und dafür kannst Du belangt werden.

Für unsere Charaktere gelten die Gesetze der Menschen nur soweit, wie sie zur Wahrung der Maskerade nötig sind. Vampire können sich bestehlen, Rufmord betreiben oder Körperverletzung zur Tagesordnung machen.

Für uns als Darsteller sieht das anders aus: Wir müssen uns natürlich an Gesetze halten.

In unserer Spielwelt sind die technischen Möglichkeiten der realen Welt vorhanden. Aber deshalb werden nicht geltende Gesetze außer Kraft gesetzt. Sprich, andere Spieler stimmen mit ihrer Teilnahme am Spiel nicht automatisch zu, dass man sie heimlich aufnimmt. Auch nicht, wenn sie wissen, dass theoretisch die Möglichkeit dafür bestehen würde.

(Das gilt übrigens nicht nur für Fotos, sondern auch für Videos und Tonaufnahmen)

 

Rechtlich sicher Aufnahmen machen

Du möchtest gerne die Möglichkeit nutzen, heimlich Aufnahmen von anderen Charakteren zu machen? Das ist theoretisch möglich. Aber: Der einzig legale Weg, Aufnahmen von anderen Charakteren zu machen, ist Dir vorher das Einverständnis der jeweiligen Person zu holen.

Darüber hinaus gibt es einen Unterschied zwischen der Aufnahme und der späteren Verwertung des Bildes. Hat ein Spieler die Einwilligung für Aufnahmen gegeben, darfst du diese deshalb noch längst nicht online hochladen (z.B. in einen Cloud Speicher) oder anderen Personen zeigen. Das Thema ist komplex und wird, zurecht, hart durchgesetzt.

 

Wie bereits eingangs erwähnt: Wir sind keine Juristen und können keine Rechtsberatung geben. Wenn Du eine rechtssichere Aussage haben willst, musst Du Dir eine entsprechende Person vom Fach suchen.

 

 

Abseits der Gesetze

Neben dem rechtlichen Aspekt, der heimliche Aufnahmen verbietet, gibt es drei weitere wichtige Punkte, die jeder bedenken sollte: Den Respekt gegenüber den Mitspielern, die Stimmung des Spiels und dass es eigentlich ohne Aufnahmen schöner ist.

 

Respektiere Deine Mitspieler

Viele Spieler wollen nicht, dass jemand ohne ihr Wissen Fotos von ihnen in ihrem Outfit als Vampire macht. Durch zunehmend bessere Gesichtserkennung ist es immer wahrscheinlicher, online auf eher unschönen Bildern entdeckt zu werden. Die Sorge, dass dies geschieht und sich berufliche Nachteile ergeben, ist berechtigt: Wer in eher konservativen Branchen wie dem Bankwesen arbeitet, wird als blutsaugender Anarch mit Kettensäge kaum Freunde im Vorstand finden.

Selbst, wenn Du diese Fotos niemals irgendwo hochladen würdest: Wenn Du Deine Mitspieler ohne ihr Einverständnis aufzeichnest, triffst über ihren Kopf hinweg eine Entscheidung für sie. Die bloße Vorstellung, dass andere Personen einen fotografieren und man selbst keinen Einfluss mehr darauf hat, was mit diesem Bild passiert, ist scheußlich.

Es ist dabei egal, wie übertrieben diese Sorgen wirken können. Damit jeder dieses Hobby genießen kann, nehmen wir Rücksicht auf solche Bedenken.

 

Aufnahmen sind nicht schön

Seien wir ehrlich: Die wenigsten Aufnahmen können die Stimmung einer Szene wirklich rüberbringen. Im Spiel lässt der rasende Brujah mit seinem furchterregenden Wutausbruch alle zittern. Auf dem verwackelten Bild auf dem Smartphone-Display ist die Situation nicht mehr beeindruckend.

Vom rechtlichen Faktor abgesehen machen solche Bilder sehr schnell die coole Stimmung eines Spiels kaputt. Freue Dich lieber über die Erinnerung an einen richtig krassen Abend. Das ist schöner, als nach ein paar Wochen auf ein Foto zu schauen und zu fragen, was daran eigentlich so toll war. Denn soooo gruselig wie in Deiner Erinnerung sieht es auf dem Foto ja nicht mehr aus.

 

Gutes Spiel braucht keine Aufnahmen

Aufnahmen könnten ohne Frage sehr praktisch im Spiel sein. Sie taugen als Beweise und Druckmittel. Wer etwas vergessen hat, kann es sich im originalen Wortlaut noch einmal anhören.

Aber eigentlich geht es in unserem Spiel ja gar nicht darum. Weder für den Handel mit Informationen noch für tiefe Immersion braucht man Tonaufnahmen. Die Erfahrung der letzten 20+ Jahre hat dies immer wieder deutlich gezeigt. Charaktere, deren Informationen viel wert waren, sind nicht durch technische Hilfsmittel so groß geworden. Was sie einflussreich gemacht hat waren aktives Spiel, der Austausch mit anderen Charakteren und der Ausbau des eigenen Rufes.

Gleichzeitig helfen Aufnahmen nicht dabei, tiefer in den eigenen Charakter zu fühlen. Sie nehmen viel eher den Zauber und das Ungewisse einer Situation. Ein Beispiel: Ein verbündeter Charakter erzählt mir, er habe ein Gespräch von meinen Feinden belauscht. Diese Aussage ist viel spannender für mich, als nur die Tonaufnahme davon anzuhören. Im ersten Fall kann ich überlegen, ob er alles richtig verstanden hat, wie ich das überprüfe und ob er mich belügt. Im zweiten Fall muss ich nur noch Beweise durchblättern.

Klar, das zweite ist praktischer und bequemer – aber eben nicht schöner.

Ausgespäht: Die Grenze(n) des Möglichen

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